Eilmeldung

Eilmeldung

Krimtataren erinnern an Deportation durch Stalin

Sie lesen gerade:

Krimtataren erinnern an Deportation durch Stalin

Schriftgrösse Aa Aa

Ungeachtet eines Demonstrationsverbotes haben am Sonntag mehrere tausend Krimtataren in Simferopol des Beginns der Deportation ihres Volkes von der Krim vor 70 Jahren gedacht. Die Krimtataren hatten sich im März dieses Jahres gegen die Angliederung der Krim an Russland ausgesprochen.

Die neue Regierung der Krim hatte ein Demonstrationsverbot verhängt, dennoch versammelten sich die Krimtataren mit ukrainischen Flaggen vor einer Moschee am Stadtrand von Simferopol. Derzeit leben knapp 300.000 Krimtataren auf der Halbinsel. Der russische Präsident Puitin hatte ihnen Minderheitenrechte und Schutz zugesagt.

Wegen des Demonstrationsverbotes hatten die Krimtataren ihre offizielle Gedenkveranstaltung nach Kiew verlegt. In der ukrainischen Hauptstadt versammelten sich zwei- bis dreihundert Krimtataren und zogen durch die Stadt zum Schewtschenko-Platz.

“Die Tataren, die in der Region, in der meine Verwandten leben, wohnen, werden gedemütigt. Auf den Märkten verkauft man ihnen nichts, die Einheimischen werden aggressiv, sie werden frech, sie sagen, ihr Tataren verdient den Tod, für Euch ist kein Platz auf der Krim”, meint Tatarin Susanna Islyamova auf der Demonstration in Kiew.

Am 18. Mai 1944 begann die sowjetische Geheimpolizei auf Geheiß Stalins rund 200.000 Krimtataren nach Mittelasien zu deportieren. Im Gegensatz zu vielen anderen unter Stalin deportierten Völkern, durften sie nach Stalines Tod nicht wieder in die Heimat zurück. Erst während der Perestroika in den 80er Jahren konnten die letzten Überlebenden auf die Krim zurückkehren.

“Als Russland die Krim besetzte, flohen rund 8.000 Krim-Tataren in die Ukraine. Sie haben in Kiew und der West-Ukraine Zuflucht gefunden. Alle hoffen, dass es nur vorübergehend ist. Sie hoffen, dass sie, wie ihre 1944 deportierten Großeltern in ihre Heimat wieder zurückkehren können”, kommentiert die ukrainische euronews-Reporterin.