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Keine Schwarz-Weiß-Malerei: "Timbuktu"-Premiere in Cannes

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Keine Schwarz-Weiß-Malerei: "Timbuktu"-Premiere in Cannes

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Vorschusslorbeeren für den Film “Timbuktu” des Mauretaniers Abderahmanne Sissako, der von den Festivalbesuchern in Cannes und der Presse hoch gelobt wurde. Er gilt als einer der Favoriten für die Goldene Palme. Der Film spielt in der gleichnamigen, geschichtsträchtigen Stadt im Norden Malis, die bis vor kurzem noch in den Händen von Dschihadisten war.

euronews-Reporter Fred Ponsard: “Timbuktu – das ist ein Symbol für Bildung, Kultur und Religion. War es Ihnen wichtig, dass der Film in dieser Stadt spielt?”

Regisseur Abderrahmane Sissako: “Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, dass ich nach meinem Film “Bamako” auch noch einen in Timbuktu drehe. Indem ich meine Filme “Bamako” und “Timbuktu” nenne, will ich den Mittelpunkt der Welt verschieben.”

Timbuktu zeigt uns den Alltag der Menschen, die den Regeln der Dschihadisten unterworfen sind. Streng muslimische Gotteskrieger, die jedoch willkürlich die Regeln des Islams brechen: Zum Beispiel das Verbot, Moscheen mit einer Waffe zu betreten. Eine extreme Auslegung der Religion, die schwer auf den Schultern der Einwohner lastet.

Der Regisseur warnt, “oft werden ganze Städte, ganze Kulturen als Geisel genommen. Das ist sehr gefährlich, da es sich hier um mehr als ein, zwei Menschen handelt. Das schadet dem Ansehen der Religion und den Traditionen, was ich unerträglich finde. Ich habe das selbst erlebt und darunter gelitten. Und ich will etwas daran ändern, indem ich die Situation festhalte und darüber berichte.”

Die Stärke des Films ist, nicht in die Falle der Schwarzweiß-Malerei zu tappen. Auch die Dschihadisten in “Timbuktu” haben Emotionen, eine eigene Geschichte. Sie sind keine Kriegsmaschinen, sondern menschliche Wesen mit Schwächen und Wunden.

Roter Faden ist die Geschichte eines Touareg-Pärchens. Sie sind Schäfer und müssen sich den willkürlich angewandten Gesetzen des Korans unterwerfen. Ein seltener Film über Gerechtigkeit, erzählt von einem großen Cineasten und wahren Humanisten.