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Unter die Haut: Ausstellung "Tattooists, tattooed"


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Unter die Haut: Ausstellung "Tattooists, tattooed"

Die einen können nicht genug von ihnen bekommen, andere würden sie niemals tragen: Tätowierungen
Jetzt erzählt das Pariser Musée du Quai Branly ihre Geschichte. Von den Anfängen, als sie ein Zeichen gesellschaftlicher Ausgrenzung waren, über ihren Weg in die Subkultur bis zum Moment, als Tattoos schließlich zum modernen Körperschmuck wurden.

Tätowierungen sind etwa 5.000 Jahre alt. Das belegt der Fund der Gletschermumie Ötzi, auf dessen Überresten Forscher 1991 57 Markierungen fanden. Darunter ein Kreuz hinter dem linken Knie.

Der wissenschaftliche Berater der Ausstellung vom Musée du Quai Branly Sebastien Galliot: “Früher dienten Tätowierungen der Medizin oder der Gesundheitsvorsorge, so der Glaube. Es gab Tattoos mit einer magischen Funktion, möglicherweise sollten sie böse Geister abwehren. Andere sollten ihre verstorbenen Träger sicher ins Jenseits führen. Andere wiederum werden bei kollektiven oder individuellen Initiationsriten auf die Haut aufgetragen. Und dann gibt es Tätowierungen, die Verzierungen oder Ausdruck von persönlicher Ästhetik sind.”

Innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte haben sich mehr und mehr Menschen entschieden, sich mit Nadel und Tinte stechen zu lassen. Mode, Design, Werbung und Medien haben der Bewegung den Stempel “Tattoo-Phänomen” aufgedrückt. Auch zahlreiche Stars tragen Tätowierungen. Etwa jeder fünfte junge Franzose und fast jeder vierte junge Amerikaner haben ein Tattoo.

Der französische Tätowierer Loic Abraxas erklärt, “Menschen nehmen ihren Körper wieder in Besitz. Sie versuchen, anders auszusehen. Und weil sich in unserer modernen Gesellschaft mehr und mehr Menschen gleich kleiden, erlauben Tätowierungen es, individueller auszusehen. Sie ermöglichen es, Dinge aus unserem Inneren nach außen zu tragen.”

Der französische Tattoo-Artist Tin-Tin meint, seine Domäne sei mit anderen Künsten gleichzusetzen. “Es ist für alle Tätowierer wichtig, als Künstler anerkannt zu werden. Der einzige Unterschied zwischen uns und Gemälden, Comics, Illustrationen und Zeichungen ist, dass wir auf der Haut arbeiten – einer lebenden Leinwand,” so Tin-Tin.

Die Ausstellung “Tattooists, Tattooed” ist noch bis Mitte Oktober im Pariser Musée du Quai Branly zu sehen.

Mehr zum Thema:

http://www.quaibranly.fr/fr/programmation/expositions/a-l-affiche/tatoueurs-tatoues.html

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