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Balkan-Flut: Plastikminen schwimmen herum wie Partyteller

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Balkan-Flut: Plastikminen schwimmen herum wie Partyteller

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Das Balkan-Hochwasser spült die jüngere Geschichte hoch. Minen aus dem Bosnienkrieg (1992–1995) machen sich selbständig und bedrohen halb Südosteuropa. Und das geht so: In Bosnien-Herzegowina lagen vor dem Hochwasser in markierten Minenfeldern noch bis zu 120.000 Minen.

Flüsse aus dem überschwemmten Bosnien münden in die Save. Die fließt entlang der kroatischen Grenze nach Serbien und mündet dort in die Donau.

Minenräumer Fikret Smais:

“Gestern haben wir in einem Fernsehbericht einen Mann gesehen, der schmiss zwei angeschwemmte Minen in den Fluss Bosna zurück, die er in seinem Vorgarten gefunden hatte. Das ist das Schlimmste, was man tun kann.”

Vor allem Plastikminen schwämmen auf den Fluten wie Partyteller, sagen Fachleute. Aber auch 2,3 Kilo schwere Sprengkörper aus Metall werden mitgerissen.

In Visoko bei Sarajevo mündet der Nebenfluss Fojnica in die Bosna. Bürgermeisterin Amra Babic macht sich Sorgen:

“Viele Menschen hier leben von der Landwirtschaft. Jetzt wurden buchstäblich alle Felder überflutet und alle Kulturen zerstört. Für die Gemeinde Visoko wird die Instandsetzung der Felder das größte Problem.”

Laut Auswärtigem Amt in Berlin sind noch große Teile Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens mit Landminen und Blindgängern belastet. Bis 2019 wollten die verminten Staaten eigentlich fertig sein mit der Erblast.

Jetzt schaffen die Bomben neue Kontakte: “Wir werden mit Kroatien und Serbien zusammenarbeiten, um das Problem zu lösen”, so der Sprecher des bosnischen Minenzentrums.

su mit AFP, dpa