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Flüchtlingselend in Sizilien: Italien erwartet die Hilfe Europas

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Flüchtlingselend in Sizilien: Italien erwartet die Hilfe Europas

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Kaum ein Tag vergeht im Süden Siziliens, ohne dass Schiffe der italienischen Marine und der Küstenwache Flüchtlinge an Land bringen. In Pozallo sind es diesmal 362 illegale Einwanderer, darunter fünf schwangere Frauen und 48 Kinder. Die Menschen stammen aus Syrien, Ägypten, aus dem Herzen Afrikas, aus Asien. Seit Jahresbeginn wurden bereits mehr als 40 000 Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas aufgegriffen, die meisten davon in Italien. “Wir stießen rund 70 Meilen von Lampedusa entfernt auf das Boot, das Meer war unruhig”, sagt uns die Kommandantin des Kriegsschiffes, Catia Pellegrino. “Es ist nur eine von mehreren Aktionen dieser Tage.”
Vier mutmaßliche Schlepper wurden festgenommen, drei stammen aus Tunesien, einer aus Syrien. Die illegale Zuwanderung hat in diesem Jahr stark zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden in Sizilien und Malta insgesamt 40 000 illegale Einwanderer entdeckt, in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits 25 000. Euronews hatte Glück und durfte die Aufnahmestelle mit der Kamera betreten. Die Behörden sind überfordert, 180 Plätze stehen zur Verfügung, doch mehr als das Doppelte der Menschen wurde untergebracht. Luigi Ammatuna, der Bürgermeister Pozallos erläutert: “Zivilschutz, Kleidung, Verpflegung kosten rund 15 Euro pro Tag und Person.”

Ein 22-Jähriger, der sagt, dass er aus Mali stamme, und der zusammen mit anderen ein Schiff in Libyen bestiegen hat, berichtet:
“Man wird auf der Straße überfallen, vergewaltigt, das Geld wird einem gestohlen, man wird geschlagen. Die Polizei verhaftet und misshandelt Menschen ohne jeden Grund, ich bin in Libyen verletzt worden.” Die Flüchtlinge haben Schleppern umgerechnet rund 1 000 Euro für die Überfahrt gezahlt. Sie riskieren ihr Leben und das ihrer Kinder. Warum? “Unsere Häuser wurden zerstört, unsere Eltern wurden im Krieg getötet”, sagt eine Frau, die offenbar aus Syrien stammt. “Wir flüchten, damit unsere Kinder am Leben bleiben können”, fügt eine andere hinzu. Doch nicht nur Krieg vertreibt die Menschen aus ihren Heimatländern. Viele träumen von einem besseren Leben in Europa. Ein junger Mann, der aus Elfenbeinküste im Westen Afrikas stammt und auf dem Weg nach Libyen den halben Kontinent durchquert hat, sagt uns, er wolle in Europa Französisch studieren. Nach Deutschland, Dänemark oder Schweden wolle er gelangen, fügt ein anderer hinzu. “Europa ist gut”, sagt er. Nur wenige wollen in Italien bleiben. Doch nach geltendem EU-Recht müssen sie den Asylantrag in dem Land stellen, über das sie eingereist sind. “Das ist falsch”, kritisiert der Bürgermeister Pozzallos. “Denn um nicht hier den Antrag stellen zu müssen, flüchten sie, bevor sie identifiziert werden.”
“Die Lage der Flüchtlinge in Sizilien und auf Lampedusa ist verzweifelt”, sagt unsere Korrespondentin Margherita Sforza. “Italien erwartet die Solidarität der Länder aus dem Norden Europas.”