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Gelingt den Schwedendemokraten der Einzug ins Europaparlament?

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Gelingt den Schwedendemokraten der Einzug ins Europaparlament?

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“Wir befinden uns in Stockholm, im Stadtteil Rinkeby, der fast ausschließlich von Emigranten bewohnt wird. Was ihre Integration anbelangt, gilt Schweden als beispielhaft”, erläutert unsere Korrespondentin Efi Koutsokosta. “2010 jedoch zog erstmals eine rechtspopulistische Partei ins Parlament ein. Die rassistisch motivierten Übergriffe auf Einwanderer haben seither zugenommen.”
Die weitaus meisten der rund 15 000 Bewohner Rinkebys kommen aus afrikanischen Staaten und aus dem Nahen Osten. Etwa ein Drittel der Menschen hier ist ohne Arbeit. Muria, der vor sechs Jahren aus Kenia einwanderte, berichtet von einem Angriff, dem ein Freund zum Opfer fiel: “Eines Tages ging ich mit einem Freund aus. Plötzlich näherten sich Unbekannte und fragten ihn: ‘Was suchst du hier? Dies ist nicht dein Land!’ Mein Freund hatte sich gerade einen Hamburger gekauft. Er antwortete darauf irgendetwas, als er plötzlich von einer jungen Frau angegriffen wurde. Schließlich schlugen sieben Leute auf ihn ein.” “Sie hassen Muslime, nicht alle Ausländer, sie hassen Muslime”, berichtet ein anderer Einwanderer. “Würden alle Einwanderer, die hier leben, ihre Arbeit für zwei oder drei Tage niederlegen, merkten die Schweden, was in ihrem Land eigentlich vorgeht.”

Unruhen, wie jene im vergangenen Jahr in Malmö und in einigen Stadtteilen Stockholms, waren bis dahin in Schweden unbekannt. Eine der Ursachen dafür ist die Arbeitslosigkeit. Sie beträgt acht Prozent, unter den Einwanderern ist sie doppelt so hoch und bei den Jugendlichen beträgt sie 27 Prozent. “Es gibt Probleme, die wir früher nicht kannten. Viele Menschen sind aus dem Sozialsystem gefallen, es gibt Obdachlose”, so Edda Manga, die Ideengeschichte unterrichtet. “Ultranationalisten und Populisten glauben zu wissen, dass das alles mit der Einwanderung zu tun hat. Es gibt Menschen, denen so simple Erklärungen genügen. Sie glauben, auch die Lösung zu kennen: Nämlich indem man die Einwanderer wieder los wird. Dann wäre alles wie es früher war, denken sie.” Der 31-jährige Ibrahim ist Schauspieler in Göteborg. Er wurde in Malmö geboren und wuchs auch dort auf. Sein Leben in Schweden ist alles andere als einfach, berichtet er: “Ich spreche Schwedisch, doch ich sehe nicht wie ein Schwede aus, das ist das Problem. Ich arbeite zehn Mal schwerer als andere, weil ich schwarz bin. Als Schauspieler bekomme ich immer nur Rollen, in denen Drogendealer oder Diebe darstelle. Ich würde gerne einen Polizisten spielen.” Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten lagen Umfragen zufolge noch vor kurzem bei zehn Prozent. Zur Zeit aber haben sie Gegenwind und es ist nicht sicher, ob es ihnen gelingen wird, einen Sitz im Europaparlament zu erringen.