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Die konfliktreiche Geschichte der Uiguren

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Die konfliktreiche Geschichte der Uiguren

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Die dem Persischen oder Arabischen verwandten Schriftzeichen am Bahnhof bezeugen: Dies ist nicht chinesisches Kernland. Der Name dieser Provinz weit im Westen der Volksrepublik bedeutet “Neuland”. Es ist ein autonomes Gebiet, in dem das Turkvolk der Uiguren sich aber mittlerweile von den neu hier angesiedelten Han-Chinesen benachteiligt fühlt. Was immer wieder zu Zusammenstößen und sogar Aufständen führt.
Zuletzt machte am 30. April ein Attentat Schlagzeilen
Ende Oktober 2013 trugen die von der Staatsmacht als “Terroristen” bezeichneten Akteure ihren gewaltsamen Protest sogar ins Herz der kommunistischen Volksrepublik China.
Auf dem Tiananmen-Platz explodierte eine Autobombe. Fünf Menschen starben.

Die Geschichte dieses Turkvolkes reicht bis weit vor das 9. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert gab es ein sogenanntes “Chinesisch-Turkestan”, später eine “Republik Ostturkestan”. Die Volksrepublik China konnte sich bei ihrer Gründung 1949 die Region mit Billigung der benachbarten Sowjetunion einverleiben. Wobei sich an der Religion der Uiguren – sie gehören zum sunnitischen Islam – immer wieder Konflikte entzündeten. Wie jede Religion war auch diese der kommunistischen Führung suspekt. Beamten und Jugendlichen unter 18 Jahren ist grundsätzlich der besuch einer Moschee verboten.

Die Volksrepublik brachte die Entwicklung von Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungswesen – aber auch die massenhafte Zuwanderung von Han-Chinesen. Da genügte oft ein Funke – z.B. 2009 das Gerücht, ein Uigure hätte eine Chinesin vergewaltigt – um blutige Zusammenstöße auszulösen.

Der Wissenschaftler Ilham Tohti von der Minzu Universität in Peking gehört zu den wenigen prominenten uigurischen Intellektuellen, die sich noch öffentlich äußern können. Er verweist auf die Versäumnisse in der Vergangenheit, auf die sich anhäufenden ungelösten Probleme wie das nicht konsequent realisierte Recht auf die eigene Sprache, fehlende Religionsfreiheit, Menschenrechtsverletzungen. Dazu komme eine hohe Arbeitslosigkeit unter den Uiguren, die von den zugewanderten besser qualifizierten Han-Chinesen verdrängt und diskriminiert würden.

Die chinesische Führung hat sich bei allen seperatistischen Bestrebungen die US-Formel vom “Kampf gegen den Terrorismus” zu eigen gemacht.
Der muslimische Glaube der Uiguren schürt zusätzlich die Angst, hier könnte Al-Kaida Fuß fassen, obwohl es dafür keine Beweise gibt.