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Ägypten - Präsidentenwahl ohne Begeisterung

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Ägypten - Präsidentenwahl ohne Begeisterung

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Am 26. und 27. Mai wird in Ägypten schon wieder ein neuer Präsident gewählt. 11 Monate nachdem unter zumindest ideologischer Beteiligung der Armeeführung der Muslimbruder Mohamed Mursi entmachtet wurde, sieht es nun nach einem Wahlsieg des ehemaligen Armeechefs Abdel Fattah al-Sisi aus. Die schon unter Mubarack verbotenen islamistischen Muslimbrüder hatte die ersten freien Wahlen in Ägypten haushoch gewonnen. Die Begeisterung der ersten freien Wahlen ist verflogen. Neben dem klaren Favoriten bewirbt sich auch bewirbt sich auch der linksgerichtete Politiker Hamdin Sabahi um das höchste Staatsamt. Βei der Wahl 2012 gab es 13 Kandidaten. Sabahi sieht sich in der Tradition von Gamal Abdel Nasser, der vor einem halben Jahrhundert den König stürzte und das moderne Ägypten begründete. Er hatte auch 2012 schon kandidiert und war damals auf den dritten Platz gekommen.

euronews-Korrespondent Mohammed Shaikhibrahim traf ihn in Kairo zum Interview.

Mohammed Shaikhibrahim , Euronews : Wir freuen uns, mit dem Präsidentschaftskandidaten Hamdeen Sabahi sprechen zu können. An ihn zunächst die Frage: Auf welche Weise könnte man nun die Bedürfnisse des ägyptischen Volkes erfüllen und warum ist der vorige Präsident daran gescheitert?

Hamdeen Sabahi , Präsidentschaftskandidat :
Ich will das erreichen, wofür das ägyptische Volk die Revolution gemacht hat. Der erfolgreich funktionierende Staat ist ein großer Beweis für eine erfolgreiche Revolution. Ich werde versuchen, soziale Gerechtigkeit zu erreichen, der benachteiligten Mehrheit in ihrem Recht zu verhelfen, wozu eine fairen Verteilung des Reichtums gehört sowie ein demokratischer Staat, der Freiheiten schützt und Diskriminierung in Ägypten verhindert. Außerdem muss die Tür zur Rechtsstaatlichkeit und Chancengleichheit geöffnet werden.

Mohammed Shaikhibrahim , Euronews :
Sind Sie bereit, im Falle Ihres Sieges mit der Muslim-Bruderschaft zusammen zu arbeiten?

Hamdeen Sabahi , Präsidentschaftskandidat :
Die Muslim-Bruderschaft wird als Partei nicht zurückkehren, weil die neue Verfassung solche religiösen Parteien nicht zulässt. Doch mit der Muslimbruderschaft als Organisation ist das anders. Ebenso mit den ihr nahestehenden Personen. Es sollte keine Diskriminierung von ägyptischen Bürgern wegen ihrer politischen Haltung geben. Ich betonte, dass man seine Meinung in friedlicher Weise zum Ausdruck bringen muss. Wir werden mit Gewalt gegen alle vorgehen, die zu Gewalt aufrufen, die Terror in die Gesellschaft tragen. Wir werden keine Verletzung der Freiheiten und Rechte der Ägypter hinnehmen, die ihre Meinung friedlich zum Ausdruck bringen

Mohammed Shaikhibrahim , Euronews :
Glauben Sie, dass die ägyptischen Medien und anderen staatlichen Stellen sich bei diesen Wahlen neutral verhalten?

Hamdeen Sabahi , Präsidentschaftskandidat :
Außer im Staatsfernsehen kann ich keine Chancengleichheit feststellen, in den privaten Medien nicht. Und zwar, weil diejenigen, die die privaten Medien besitzen, damit ihre eigenen Interessen verfolgen. Bei dieser Wahl sehe ich aber, dass der ägyptische Staat existiert und seinen Einfluss geltend macht, das ist täglich sichtbar. Ich akzeptiere, dass bei diesen Wahlen der Staat seinen Einfluß ausübt aber ich verlange, dass es keinerlei Fälschungen geben darf.
Wenn das passiert, verlieren wir unser Gesicht.