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Präsidentenwahl in Ägypten ohne große Spannung

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Präsidentenwahl in Ägypten ohne große Spannung

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Die Ägypter werden zur zweiten Präsidentenwahl nach dem Sturz von Langzeitherrscher Mubarak an die Urnen gerufen. Doch was für ein Unterschied zur ersten freien Wahl vor zwei Jahren! Statt 13 Kandidaten gibt es nur noch zwei.Der linke Hamdien Sabahi hat praktisch keine Chance. Man kann da getrost die Ergebnisse aus Deutschland als Beispiel nehmen, wo die dort lebenden Ägypter bereits gewählt haben: Da bekam Sabahi um die 17 Prozent der Stimmen.

Mit überwätigender Mehrheit gleich im ersten Wahlgang kann Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi rechnen. In Zivil ist er kaum wieder zu erkennen.
Aber auch in Zivil bleibt er der starke Mann, den sich die meisten Ägypter wünschen, damit endlich das Chaos ein Ende hat. Das Chaos, das mehr als 2.500 Menschen das Leben gekostet hat und rund 16.000 Ägypter ins Gefängnis brachte. Nicht nur den von der Armee gestürzten vorigen Präsidenten Mohammed Mursi. Bei seiner Wahl war es noch spannend, er siegte mit knappem Vorsprung.

Der Politikwissenschaftler Hassan Nafaa betrachte eine Aussöhnung zwischen den islamistischen Muslim-Brüdern und religiös eher moderaten Kräften als wichtigste Aufgabe des künftigen Präsidenten. In einem modernen zivilisierten Staat hat nach seiner Meinung auch der politische Islam seinen Platz. Er warnt vor Ausgrenzung – stellt aber gleichzeitig die Frage: “Wohin will der politische Islam in Ägypten?”

Ruhe und Ordnung wollen die meisten Bürger, Voraussetzungen, um die Wirtschaft aufbauen zu können. Da fragt auch manch einer, warum in den Monaten vor der Wahl die Ordnungskräfte nicht besser für Ordnung gesorgt haben. Sollte vielleicht Methode dahinter stecken, damit die Bürger um so dringender nach dem starken Mann verlangen?
In den staatlichen Medien wurde in dieser Zeit Feldmarschall al-Sisi zur Lichtgestalt verklärt, zum einzig möglichen Retter der Nation. Zum einzigen Politiker, dem konsequentes Durchgreifen zuzutrauen ist, damit sich die Touristen wieder sicher fühlen, ohne die Ägyptens Wirtschaft heillos abgestürzt ist.

Denn wer will schon Ferien machen in einem Land, in dem ständig der Strom ausfällt, in dem der normale moderne Alltag immer wieder zusammenbricht? Nur Stabilität kann dem Land wieder Investitionen bringen, ohne die die erschreckend hohe Arbeitslosigkeit nicht zu bekämpfen ist. Und Arbeitslosigkeit, das weiß man auch in Ägypten nur zu gut, birgt die ständige Gefahr von sozialen Unruhen.

Beide Kandidaten haben Ankurbeln der Wirtschaft, Bekämpfen der Armut, Entwicklung der Infrastruktur versprochen. Wählen werden die Ägypter den, dem sie das am besten zutrauen.