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Polen: Ex-Staatschef Wojciech Jaruzelski ist tot.

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Polen: Ex-Staatschef Wojciech Jaruzelski ist tot.

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Polens kommunistischer Ex-Staatschef Wojciech Jaruzelski ist tot. Das berichtet die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski. Demnach starb Jaruzelski am Sonntag im Alter von 90 Jahren. In den 80er Jahren war er Parteichef der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei und Staatsratsvorsitzender.

Es war der 13. Dezember 1981. Im polnischen Fernsehen verkündet ein General: Über das Land wurde das Kriegsrecht verhängt.

Wojciech Jaruzelski hatte sich im II.Weltkrieg den an der Seite der Sowjetarmee kämpfenden polnischen Truppen angeschlossen. So war der Mann aus polnischem Kleinadel zur Kommunistischen Partei gekommen.

Und die wusste Ende ´81 kein anderes Mittel mehr, um ihre Macht zu erhalten. Die Werftarbeiter von Gdanzk hatten angeführt vom Elektriker Lech Walesa die erste unabhängige Gewerkschaft in einem kommunistisch regierten Land gegründet.

Solidarnosc – das war ein Angriff auf das Machtmonopol der Kommunistischen Partei. Und die setzte alle ihre Machtmittel ein.

Da hatte die Krise im Land bereits zu Umbesetzungen an der Spitze von Partei und Regierung geführt. Der Verteidigungsminister General Jaruzelski war zu Beginn des Jahres ´81 zum Parteichef und Ministerpräsidenten ernannt worden.

Die Parteiführung, natürlich auch jene in Moskau, ohne die solche Entscheidungen nicht möglich waren, setzte auf eine “nationale Lösung des polnischen Problems”, wie Jaruzelski später das Kriegsrecht rechtfertigen wird.

Gewaltsames Eingreifen in Bruderstaaten – wie 1956 in Budapest und 1968 in Prag – wäre bis zur “Perestroika” von Kremlchef Michael Gorbatschow Mitte der 80er Jahre jederzeit möglich gewesen. Der General an der Spitze der polnischen Kommunisten wurde 1985 auch polnisches Staatsoberhaupt.

Das blieb er, bis die Polen 1990 ihren Präsidenten erstmals frei wählen konnten. Solidarnosc-Führer Lech Walesa übernahm das Amt vom General, der ihn so lange vergeblich bekämpft hatte.

In Zivil, immer noch mit der dunklen Brille, die so etwas wie sein Markenzeichen war, stellte sich der Rentner Jaruzelski vielen Diskussionen. Dabei entschuldigte er sich in Prag 2005 für die Beteiligung der von ihm kommandierten polnischen Armee an der Niederschlagung des “Prager Frühlings”.

Nachdem in Polen bekannt wurde, dass Jaruzelski vor der Ausrufung des Kriegsrechts in Moskau um militärisches Eingreifen im Notfall gebeten hatte, wurde 2008 Anklage gegen ihn erhoben.

Dieser Fakt könnte als “Hochverrat” gewertet werden.
Wojciech Jaruzelski versuchte bis zuletzt, als Historiker in eigener Sache sein Lebenswerk zu verteidigen.