Eilmeldung

Eilmeldung

Ukrainewahl - aus russischer Sicht

Sie lesen gerade:

Ukrainewahl - aus russischer Sicht

Schriftgrösse Aa Aa

Drei Fragen an Jewgeni Popow

Die Wahl in der Ukraine ist in Russland mit Spannung verfolgt worden. Jetzt steht der Sieger fest, es stellt sich die Frage: Und nun? Was ist jetzt? Wie wird es mit den ukrainisch-russischen Beziehungen weiter gehen. Wie kann die Krise überwunden werden. Wir sprechen mit dem russischen Fernseh-Journalisten Jewgeni Popow.

euronews: “Jewgeni, wie sieht die Stimmung in Russland aus? Jetzt hat die Ukraine ja eine neue Führung bekommen. Wie wird sich das Verhältnis zwischen Moskau und Kiew gestalten?”

Popow: “Die meisten in Russland haben aufgeatmet, als am Sonntag in der Ukraine gewählt wurde. Das war doch der erste legale Akt in der jüngeren Vergangenheit, der stattgefunden hat, diese Wahl am Sonntag. Die vergangenen sechs Monate waren das reinste Chaos in der Ukraine. Die Russen akzeptieren das Wahlergebnis, denn es ist aus einem legitimen Prozess heraus entstanden, also akzeptiert Russland das auch. Allerdings glaube ich, dass beide Seiten – Moskau und Kiew – auf ihren Positionen beharren. Moskau hat dies oft genug betont.”

euronews: “Der nationalistische Kandidat Dmitro Jarosch hat kaum Stimmen bekommen. Dabei hatte Moskau den Ukrainern vorgeworfen, Faschisten und Extremisten zu unterstützen. Wird Moskau jetzt einen anderen Ton anschlagen?”

Popow: “Ja, der rechtsextreme Kandidat Jarosch hat lediglich 0,6 Prozent der Stimmen bekommen. Aber schauen Sie doch mal, wer auf Platz 2 hinter Poroschenko kommt. Timoschenko. Eine Frau, die dazu aufgerufen hat, ein paar Atombomben auf Moskau zu werfen. Und der Kandidat Oleg Lyaschko ist nicht viel besser. Ein Faschist. Wenn Sie also alle faschistischen Kandidaten zusammenzählen, kommen Sie auf an die 30 Prozent.”

euronews: “Die Probleme mit Russland stehen ganz oben auf der Liste Poroschenkos. Einer der ersten Sätze aus dem Mund von Petro Poroschenko war, “Die Krim wird nie ein Teil Russlands sein”. Wie kam das in Moskau an?”

Popow: “Wie Sie wissen, gibt es im Moment keine offizielle Reaktion. Aber denken Sie doch an die Rede von Wladimir Putin in Sankt Petersburg, da sagte er, dass Moskau mit Kiew verhandeln wird, mit der neugewählten Regierung.
Moskau muss jetzt erst einmal genau wissen, wo Petro Poroschenko steht. Anscheinend ist Poroschenko ja für eine Niederschlagung der prorussischen Bewegung im Osten der Ukraine. Für ihn ist es nicht leicht, er muss ja auch Washington gefallen. Gleichzeitig muss er mit den prorussischen Kräften im Osten irgendwie zurecht kommen.”