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Jerusalem, heilige Stadt ohne Frieden

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Jerusalem, heilige Stadt ohne Frieden

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Jerusalem: ein Ort, drei Religionen. Dort begegnen sich viele Kulturen. Der westliche Teil wird hauptsächlich von Israelis bewohnt, die östliche Seite von Palästinensern. Die Altstadt teilt sich in vier religiöse Viertel: Muslime, Christen, Armenier und Juden haben dort ihr eigenes Territorium. Jerusalem wird von all diesen Religionen als heilige Stadt angesehen.

Ein Miteinander der Kulturen ist in Jerusalem schwer zu finden. Der Soziologe Gideon Aran erklärt, warum die friedliche Koexistenz so schwierig ist:

“Die Kluft, die Spannung, der Konflikt sind nicht nur religiös motiviert. Es gibt einen nationalen, einen politischen Konflikt, einer überlappt den anderen. Der politische und der religiöse Konflikt haben sich über den nationalen gelegt. Und beide zusammen sind natürlich schwerer zu lösen.”

Ein Phänomen der religiösen Intoleranz ist unter dem Begriff “Preisschild-Attacken” bekannt geworden: Entwurzelte palästinensische Olivenbäume, verbrannte Autos, entweihte Gräber und Häuser oder Moscheen, die mit hasserfüllten Graffitis besprüht sind. Seit Kurzem – besonders in den Wochen vor dem Besuch des Papstes – wurden vor allem christliche Kirchen Ziel der Angriffe. Der Soziologe hat seine eigene Meinung dazu:

“Im Grunde ist das eine Gruppe von Hooligans, junge Kriminelle, die sich ihre Ziele zufällig aussuchen, mal muslimische, mal christliche. Und vor allem Juden, die sind ihr eigentliches Hauptziel: Sie wollen die israelische Regierung und ihre Siedlungen in den besetzten Gebieten treffen. Aber sie wählen ihre Ziele im Grunde zufällig.”

Der israelische Inlands-Geheimdienst Schin Bet hat eine spezielle Task-Force gegründet, um dieses Problem anzugehen. Bisher ohne sichtbaren Erfolg: Es gibt nur sehr wenig Verhaftungen und in den vergangenen zwei Jahren haben die Attacken sprunghaft zugenommen.

Euronews-Reporter Luis Carballo: “Der israelische Dichter Jehuda Amichai schrieb einmal, dass die religiöse Spannung in Jerusalem so stark ist, dass ‘alles der Anfang einer neuen Religion sein kann’. Die Stadt ist drei Mal heilig und heilig für die Hälfte der Menschheit, aber all das führt nicht zum Frieden.”