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Brasilien vor der WM: Ärger überwiegt die Vorfreude

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Brasilien vor der WM: Ärger überwiegt die Vorfreude

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In 16 Tagen fängt die Fußball-WM in Brasilien an, doch Ärger und Wut der Bevölkerung lassen nicht nach. Am Dienstag beteiligte sich der berühmten Indianer-Häuptling Raoni, der Verteidiger des Amazonas, mit mehreren hundert Eingeborenen an einer Demonstration in der Hauptstadt Brasilia. Μit Gewalt wurde sie von der Polizei aufgelöst.

In den Favelas sprechen Graffiti eine eindeutige Sprache: zu viel Geld wird für Fußball ausgegeben, zu wenig für die Menschen.

“Ich denke, man hätte mit der WM auf einen Zeitpunkt warten sollen, in dem das Land in der Lage ist, sie auszurichten. Ich denke, es ist falsch für Milliarden und Abermilliarden für die WM ‘rauszuwerfen”.

Die internationale Aufmerksamkeit gibt den Brasilianern die Möglichkeit, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Die Lebenshaltungskosten sind sehr hoch, und für öffentliche Dienstleistungen, Gesundheits- und Bildungswesen fehlt Geld und damit Qualität.

“Es gibt keine Gesundheitsversorgung in der Region. Die Grundversorgung an Ärzten und Krankenhäusern fehlt. Warum? Weil sie das Geld nicht für Gesundheit oder Bildung ausgeben, sondern lieber für diese Bauten ausgeben, die nur unsere Wohnungsprobleme verschlimmern”.

Elf Milliarden Euro hat die WM Brasilien gekostet. Im Laufe der Jahre fiel die Unterstützung für das Turnier von 80 auf 50 Prozent, 55% glauben gar, dass die WM mehr Schaden für die Wirtschaft anrichtet als nüzt.

Erwartet werden 600.000 Touristen aus aller Welt, die 1,9 Milliarden Euro in Brasilien lassen sollen, die drei Millionen brasilianischer WM-Touristen sollen 5,8 Milliarden Euro ausgeben.

Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Erwartungen in der Regel zu hoch gesteckt werden. In Südafrika, das sehr stolz war, die erste Fußball-WM Afrikas ausrichten zu können, blieben die Einnahmen 40 % hinter den Erwartungen zurück. Und nur ganze elf Prozent der Ausgaben für Infrastruktur und Stadien wurden bislang wieder eingespielt.