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European Lab: Euro-Lust statt Euro-Frust - wie kann das gelingen?


Kultur

European Lab: Euro-Lust statt Euro-Frust - wie kann das gelingen?

Europa, was ist das, und vor allem, was kann es sein. Über diese und ähnliche Fragen wurde jetzt wieder beim European Lab im französischen Lyon diskutiert. Hier kamen erneut Kulturschaffende, Medienvertreter, Modemacher und Unternehmer zusammen, um ihre Vorstellungen eines geeinten Europas zu präsentieren und darüber zu sprechen. Dabei haben die Schockwellen, die der Rechtsruck bei der Europawahl ausgelöst hat, auch die Teilnehmer des EuropeanLab erreicht.

Vincent Carry vom Lab: “Es gibt heute bei Politikern und auch in Teilen der Medien einen verhängnisvollen Fatalismus, der mir gefährlicher scheint als der Rechtsruck bei der Europawahl. Ich denke, wir sehen gerade eine Abkehr vom politischen Europa, so, wie es derzeit konstruiert ist, also zu finanzlastig, zu technokratisch, aber es ist keine Abkehr vom europäischen Projekt an sich. Deshalb muss man gerade jetzt erneut und ernsthaft über Europa sprechen, über das Leben der Europäer und davon, was dieses Projekt wirklich ist, inwieweit wir alle Europäer sind und wie wir heute leben wollen.”

“Izolyatsia”, Isolation, heißt die Kulturstiftung des Ukrainers Mykhailo Glubokyi. Er kommt aus Donezk im Osten des Landes, wo prorussische Separatisten sich von der Ukraine abspalten wollen. Der überwältigende kulturelle Einfluss Russlands in der Region präge die prorussische Einstellung vieler in Donezk, sagt er.

“Seit der Unabhängigkeit der Ukraine vor 23 Jahren war Donezk immer unter dem Einfluss der russischen Kultur, ein selbständiges ukrainisches Kulturleben hat sich dort nicht entwickelt. Es gibt russische Fernsehsendungen, im Radio läuft russische Popmusik, russisches Programm und so weiter, es gibt keine ukrainischen Kulturprodukte. Ich denke, Kultur kann und sollte eine gute Grundlage sein, um Menschen zusammenzubringen.”

Ehrengast in diesem Jahr war die Französin agnès b., die den meisten für ihr gleichnamiges Modelabel bekannt ist. Doch die Designerin ist auch als Philanthropin tätig, die Filmemacher und andere Künstler in aller Welt unterstützt. Sie bezeichnet sich als hundertprozentige Europäerin und verteidigt die Verschiedenheit des Kontinents.

agnès b.: “Man entdeckt die anderen über die Kultur, man entdeckt auch die Unterschiede, was umso besser ist. Die Verschiedenheit ist unser Reichtum. Doch im Moment ist sie eine offene Wunde, das ist lächerlich und dramatisch.”

Kultur war schon immer ein wichtiger Motor, um die europäische Idee vorwärts zu bringen. In einer Zeit in der Europa-Gegner auf dem Vormarsch sind, wird es immer dringlicher, neue Formen von Kulturpolitik und kulturellem Engagement zu finden, um Lust statt Frust auf Europa zu schaffen.

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