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Ukraine-Krise: Sanktionen mit Bumerang-Effekt

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Ukraine-Krise: Sanktionen mit Bumerang-Effekt

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Wer macht auf wen Druck in der Ukraine-Krise? Russland und Westeuropa sind wirtschaftlich eng verflochten.

Russland deckt rund 40 Prozent der Gasimporte der EU ab.

EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger ermuntert weitere Investitonen wie in NordStream – die Pipeline von Gazprom, Wintershall, E.ON, Gasunie aus den Niederlanden und GDF Suez leitet russisches Gas nach Westen, an der Ukraine vorbei.

Günther Oettinger:
:
“Im Prinzip begrüßen wir jeden Investor, der außerhalb oder innerhalb der Europäischen Union für die Versorgungssicherheit unserer europäischen Bürger in Infrastruktur investiert. Allerdings – er muss sich auf dem Hoheitsgebiet der Europäischen Union in vollem Umfang an unser Binnenmarkt- und Wettbewerbsrecht halten.”

Gleichzeitig macht Oettinger Druck auf die umkämpfte Ukraine, ihre Gaslieferungen zu bezahlen, wenigstens die Hälfte.

Die Uhr tickt: Überweist die Ukraine nicht kurzfristig Milliarden an den russischen Gazprom-Konzern, könnte Moskau schon ab Montag den Gashahn zudrehen.

Andererseits kommen drei Viertel aller Auslands-Investitionen in Russland aus der EU, schätzt die EU-Kommission.

Und weitere gemeinsame Investments sind in der Pipeline:

Vor wenigen Tagen haben Total aus Frankreich und die größte private Ölgesellschaft Lukoil einen Vertrag unterschrieben zur Erforschung und Entwicklung eines riesigen sibirischen Schieferölfelds, Investitionssumme geschätzt 100 Millionen Euro.

Und die britische BP unterschrieb ein Explorationsabkommen mit Russlands Top-Ölproduzenten Rosneft – BP hält 20 Prozent an Rosneft.

Rosneft-Chef Igor Setschin ist ein enger Verbündeter von Präsident Wladimir Putin und Ziel von US-Sanktionen. Aber beim jüngsten International Economic Forum in Sankt Petersburg signalisierten die Chefs von BP, Royal Dutch Shell, Total und Eni den Russen Setschin und Putin “business as usual”.

“Europa ist zu abhängig von russischer Energie für einen vollen Handelskonflikt,” so Neil Shearing, Analyst bei Capital Economics, London.

“Weitgehende Wirtschaftssanktionen”, die dritte Stufe der Sanktionen gegen Russland wegen der Annektion der Krim, wurden auch auf dem jüngsten EU-Gipfel nicht ausgerufen.

su mit dpa