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Frankreich: Kundgebungen gegen Front-National-Erfolg bei Europawahl

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Frankreich: Kundgebungen gegen Front-National-Erfolg bei Europawahl

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Einige tausend Franzosen haben in mehreren Städten gegen den Erfolg der Front National bei der Europawahl protestiert.

Die Euro- und einwanderungsfeindliche Partei hatte am Sonntag 25 Prozent der Stimmen bekommen.

Damit ist sie nun erst einmal stärkste Kraft in Frankreichs Politik, vor den Konservativen – und weit vor den regierenden Sozialisten.

“Eine Protestwahl ist ja in Ordnung”, sagt ein junger Mann bei der Kundgebung in Paris, “aber dann doch bitte eine kluge Protestwahl. Hinter dem Antieuropäertum stecken Fremdenfeindlichkeit, Angstmacherei und eine Haltung gegen alles Andersgeartete. Das passt nicht in die heutige französische Gesellschaft.”

“Ich befürchte”, meint eine junge Frau, “dass diese Gedanken in den Medien und in der
Politik banalisiert werden. Wir wollen diesen Leuten heute zeigen, dass wir eine Gegenkraft sind und dass auch Menschen anderer Meinung sind.”

Die Gefahr scheint vielen Franzosen zur Zeit aber wohl nicht so groß zu sein: Ein Massenprotest wie 2002 blieb aus.

Damals schien ein Sieg der Front National bei der Präsidentenwahl möglich: Parteichef Jean-Marie Le Pen, Vater der heutigen Vorsitzenden Marine Le Pen, hatte es in die Stichwahl geschafft.

Der Schock saß bei vielen Franzosen tief: Vor dieser Stichwahl gingen landesweit über eine Million Franzosen auf die Straße.

Bei der Wahl selbst stimmten dann viele für den konservativen Bewerber Jacques Chirac, auch wenn sie Sozialisten oder Kommunisten waren und ihn an sich nie gewählt hätten.

Ihr einziges Ziel war es damals aber, einen Staatspräsidenten aus den Reihen der Front
National zu verhindern. Diese parteiübergreifende Haltung gegen FN-Kandidaten – noch vor wenigen Jahren bei Wahlen aller Art selbstverständlich – gibt es inzwischen aber kaum noch.