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"Die Brücken von Sarajevo"

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"Die Brücken von Sarajevo"

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“Les Ponts de Sarajevo (Die Brücken von Sarajevo)” ist ein Gemeinschaftsprojekt, das 13 Kurzfilme von europäischen Regisseuren vereint. Der Film wurde auf dem Festival von Cannes außer Konkurrenz vorgestellt. Jean-Michel Frodon, künstlerischer Direktor des Projekts, erläutert die Spielregeln.

“Für jeden galt eine einzige bindende Vorgabe, das war die Länge des Films, nicht mehr als 6 bis 8 Minuten. Auch das Budget war eingeschränkt, für jeden Film dieselbe Summe. Im Rahmen dieser Regeln hatte jeder volle künstlerische Freiheit, mir eine Filmidee zu unterbreiten, der mit der Stadt Sarajevo im 20. Jahrhundert zu tun hat, und zwar von 1914 bis heute.”

Die Übergänge zwischen den einzelnen Filmen wurden vom belgischen Zeichner François Schuiten gestaltet.

Zu den Filmemachern des Projekts gehören unter anderem Jean-Luc Godard, Cristi Puiu und die bosnische Regisseurin Aida Begic.
Zur Stadt Sarajevo hat sie ein besonders inniges Verhältnis.
“Sarajevo ist eine Art Musterbeispiel, ein Spiegel Europas, in dem sich das Beste und das Furchtbarste widerspiegeln. Sarajevo ist der Kreuzpunkt unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Es ist eine ganz besondere, einzigartige Mentalität. Denn wir haben alle verschiedene Wurzeln, eine Mischung aus Ost und West, auch das kommunistische Erbe. Wir sind ausgesprochen komplex und in diesem Sinne das Herz Europas.”

Der Film blickt auf hundert Jahre Geschichte zurück. Unterschiedliche Epochen werden beleuchtet. Die Schweizer Filmemacherin Ursula Meier befasste sich mit der Belagerung der Stadt während des Bosnienkrieges.

“Dieser Krieg hat mich sehr stark geprägt. Ich studierte Film, als sich vor unserer Tür, gleich nebenan ein Krieg abspielte. Ich erinnere mich, dass während ich lernte, Filme zu machen, ein Krieg tobte, das hat mich wirklich sehr betroffen gemacht, wir sahen Bilder, Fotos und Reportagen, vor allem die Bilder von Heckenschützen haben sich eingeprägt.Diese Bilder haben wir bis heute im Kopf.”

Der serbische Filmemacher Vladimir Perisic kommt auf den Auslöser des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, das Attentat auf Kronprinz Franz-Ferdinand in Sarajevo zurück und überlegt, welche Motive den Attentäter heute dazu bewegen würden. Vermutlich der Traum vom ehemaligen Jugoslawien.

Vladimir Perisic: “Ich glaube, die jugoslawische Idee erlebt eine Art Renaissance, ähnlich wie der Bolivarismus in Südamerika. Der Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus auf dem Balkan hat zu einer extrem brutalen Gesellschaft geführt. Allein in Bosnien liegt die Arbeitslosigkeit bei 28 Prozent.”

13 Kurzfilme, 13 Impressionen, eine gemeinsame Geschichte, die Geschichte Europas.

“Die Brücken von Sarajevo” kommt Ende Juni in die französischen Kinos.