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Iranische Kunst von 1960 bis heute

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Iranische Kunst von 1960 bis heute

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Das Musée d’Art moderne in Paris stellt zeitgenössische iranische Kunst ins Rampenlicht. "Unedited History Iran 1960 - 2014" heißt die Überblicksschau und zeigt die Entwicklung der iranischen Kunst der vergangenen 50 Jahre. Ein Abschnitt ist dem berühmten Shiraz-Festival gewidmet, dem ersten und einzigen Festival für Moderne Kunst im Iran, das bis 1978 existierte und als Meilenstein gilt.

Vali Mahlouji, Kurator: “Dieses Festival war im damaligen Iran ein ausgesprochen liberaler und umstrittener Ort. Man kann ganz klar sagen, dass das Festival die iranische Musikszene anregte, viele iranische Regisseure präsentierten ihre Filme dort. Es entstand eine Plattform für zeitgenössisches Theater. Wir fassen in diesem Ausstellungsteil das reiche Erbe des Festivals zusammen.”

Die Schau ist in mehrere historische Abschnitte unterteilt: Die Jahre der Modernisierung von 1960-1978, die Revolution und der Iran/Irak-Krieg in den 80er Jahren und schließlich die Nachkriegszeit bis heute.

Die Struktur der Schau macht deutlich: Krieg und Revolution spielen eine zentrale Rolle in der iranischen Kunst.
Auch Auflehnung (und Exil), zunächst gegen den Schah, dann gegen das Mullah-Regime. Doch zu sehen war die Kunst nirgendwo, zumindest nicht im Iran.

Morad Montazemi, Kurator: “Die meiste Zeit wurden Krieg und Revolution wie ein toter Winkel behandelt, sprich ignoriert. Wir hingegen wollten zeigen, dass das durchaus existierte, der Gewalt und den Problemen zum Trotz. Dieser Standpunkt erlaubt ein anderes Verständnis der zeitgenössischen Kunst im Iran.”

Schier unerträglich ist die Gewalt der Bilder von den irakischen Giftgasangriffen auf die Städte Halabdscha und Sardasht, bei denen Zehntausende Menschen ums Leben kamen.

Die Aufnahmen stammen vom 1993 verstorbenen Dokumentarfilmer Morteza Avini und dem Fotoreporter Kaveh Golestan, der 2003 starb.

Der dritte Teil der Ausstellung schließlich gewährt einen Ausblick auf die aktuelle iranische Kunst.

Die Installation von Narmin Sadeghi zum Beispiel. Sie basiert auf dem Versepos “Die Konferenz der Vögel” des Dichterfürsten Farud Du-Din Attar aus dem 12. Jahrhundert.

Eine Geschichte mit Moral: wer selbstlos nach höchster Perfektion sucht findet am Ende zu sich selbst.

Die Ausstellung ins Paris ist noch bis Ende August zu sehen.