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The Corner: Probleme zuhauf vor dem WM-Start

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The Corner: Probleme zuhauf vor dem WM-Start

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Nächste Woche ertönt in Brasilien der lang ersehnte Anpfiff. Die WM ist im Gastgeberland bei machen tatsächlich lang ersehnt, bei manchen aber äußerst umstritten. Einige Brasilianer halten die Weltmeisterschaft sogar einfach nur für eine Katastrophe.

Seit der WM-Generalprobe beim Confederations Cup im vergangenen Juni reißt die Protestwelle in Brasilien nicht ab. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, waren Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Doch es geht um deutlich mehr. Viele Brasilianer kritisieren die immensen Ausgaben für die WM und die olympischen Sommerspiele 2016, sie prangern das politische System des Landes an, mit dem sie häufig Korruption und soziale Ungleichheit verbinden.

Wiederholt kam es in den vergangenen Monaten zu friedlichen Protesten, aber auch zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei.

Doch nicht nur die Proteste setzen der WM zu, bevor sie überhaupt begonnen hat. Auch die Verzögerungen beim Stadionbau sorgen für Wirbel. Manche Spielstätten werden in letzter Minute fertig und die zweifelhaften Sicherheitsbedingungen forderten Todesopfer unter den Bauarbeitern.

In zwölf Stadien soll während der Weltmeisterschaft der Ball rollen. Die Arbeiten glichen einem Wettlauf mit der Zeit, die FIFA drohte mit Konsequenzen. In Natal im Nordosten des Landes wird rund um das Stadion immer noch gewerkelt. Und die Kosten explodierten, kurzerhand griff man dem Steuerzahler in die Tasche.

In Manaus ist das Stadion trotz eines zwischenzeitlichen Baustopps zwar fertiggestellt, doch vor zwei Wochen stand in der Stadt im Bundesstaat Amazonas plötzlich der Flughafen unter Wasser. Heftige Regenfälle hatten in der neu errichteten An- und Abflughalle Teile der Dachkonstruktion einstürzen lassen und für eine Überschwemmung gesorgt. Die Millionenstadt im Urwald ist nur per Flugzeug und Schiff zu erreichen.

In Kürze treffen die Spieler in Brasilien ein. Doch sind die Hotels auch bereit? Scheint so, obwohl die italienische und englische Nationalmannschaft dem nicht zustimmen dürften.

Mehr als 50 Kilogramm abgelaufener Lebensmittel wurden in der vergangenen Woche in den Hotels beschlagnahmt, in denen die Mannschaften Italiens und Englands während der WM ihre Lager aufschlagen. Nach Behördenangaben seien Teile dieser Speisen, darunter Fleisch und Meeresfrüchte, auch an Gäste ausgegeben worden. In einer groß angelegten Fahndungsaktion hatten Kontrolleure zahlreiche Hotels, Supermärkte und Bäckereien unter die Lupe genommen und dabei in acht Fällen Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Doch es gibt nicht nur ein Gesundheitsrisiko für die Spieler. Die vielen Touristen, die erwartet werden, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viruserkrankungen ausbreiten.

Wie viele Schlachtenbummler sich tatsächlich nach Brasilien aufmachen werden, vermögen die Organisatoren noch nicht einzuschätzen. Doch unabhängig von der exakten Zahl warnen Mediziner vor gesundheitlichen Gefahren. In der Stadt Campinas im Bundesstaat Sao Paulo, wo die portugiesische Nationalmannschaft ihr Quartier hat, starben drei Menschen am Dengue-Fieber. Die Epidemie sei aber unter Kontrolle, es bestehe keinerlei Risiko, versicherte der portugiesische Fußballverband.

Mit der Weltmeisterschaft wird eine Menge Geld verdient. Das gilt auch für unsaubere Geschäftemacher wie Drogenhändler.

In einem Erdloch im Dschungel entdeckten peruanische Sicherheitskräfte kürzlich fast 600 Kilogramm Kokain. Die Drogen seien für die Weltmeisterschaft bestimmt gewesen und sollten offenbar über den Umweg Bolivien ins WM-Land gelangen, so ein Behördenvertreter.

Im Vorfeld des Großereignisses stelle man auf den Rauschgift-Umschlagplätzen in Brasilien rege Aktivitäten fest, heißt es in einer amtlichen Mitteilung. Die brasilianische Armee kommandierte kürzlich rund 30.000 Soldaten in die Grenzregionen ab, dort sollen während der WM zusätzliche Kontrollen stattfinden.