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Gezielte Krebsbehandlung durch Radiochirurgie

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Gezielte Krebsbehandlung durch Radiochirurgie

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Viele Patienten, die an Krebs leiden, kommen ins Behandlungszentrum der Champalimaud Stiftung in Lissabon, um die neuesten Fortschritte der Radiochirurgie zu nutzen. euronews-Reporter Claudio Rocco hat sich angeschaut, wie die Technologie funktioniert.

Hochpräzisionsstrahlentherapie heißt das Verfahren oder Radiochirurgie, auch vom “Cyberknife” ist die Rede. Die Behandlung wird mit einem Linearbeschleuniger durchgeführt und der Tumor mit Photonenstrahlen behandelt, ein virtuelles Skalpell. Bei diesen Maschinen der neuesten Generation konnte die Präzision noch verbessert werden. Sie liegt unter einem Millimeter.
Das nicht-invasive Verfahren kann rasch, in manchen Fällen auch ambulant durchgeführt werden. Das Risiko klassischer postoperativer Komplikationen entfällt.

Die Champalimaud Stiftung ist eine auf die Erforschung und Behandlung von Krebs spezialisierte Einrichtung. 2014 werden hier rund 15 tausend Patienten erwartet. Viele haben Prostatakrebs, eine der häufigsten Krebsarten in der Europäischen Union mit 400 Tausend Neuerkrankungen pro Jahr.

Verantwortlich für die Krebsforschung ist der Radioonkologe Carlo Greco, der vorher in Italien und den USA arbeitete. Am Lissaboner Zentrum hat er die Präzision der Maschinen durch neue Technologien verbessert, zum Beispiel durch ein Positionierungssystem.

Carlo Greco: “Das ist ein Ortungsgerät, genau wie GPS, das uns anzeigt, was genau geschieht, während die Behandlung stattfindet. Damit können wir Bewegungen verfolgen und korrigieren, damit der Strahl mit höchster Genauigkeit angesetzt wird.
Die Prostata umschließt eine Struktur, die Harnröhre. Mit unserer Technik und dem Ortungsverfahren können wir diesen Bereich gezielt verschonen, um die Nebenwirkungen auf ein Minimum zu reduzieren.”

In diesem Raum untersuchen Forscher Behandlungsmethoden gegen Lungenkrebs, eine besonders mörderische Krebsart, die in Europa jedes Jahr rund 300 Tausend Menschenleben fordert, bei über 400 Tausend Neuerkrankungen jährlich.

Die Behandlung unterschiedlicher Krebsarten basiert auf dem gleichen Prinzip, erläutert Professor Greco.

Carlo Greco: “Vorher führen wir eine Computertomografie des Patienten in Behandlungsposition durch. So kennen wir Größe und Anatomie des zu behandelnden Gebiets.”

Claudio Rocco, euronews: “Wie steht es mit der Kosteneffizienz dieser Technologie?”

Carlo Greco: “Sie ist kostengünstiger, weil sich die Zahl der Behandlungen deutlich verringert. Prostatakrebs lässt sich durchschnittlich mit rund fünf Bestrahlungen behandeln. In manchen Fällen ist nur eine einzige Behandlung nötig. Was bedeutet, dass das Verfahren nur eine einzige hochenergetische Strahlung nötig macht. Das ist von großem Vorteil für das Wohlbefinden des Patienten.”

Im Wintergarten des Zentrums treffen wir den Patienten Jose, der glücklicherweise nicht so stark betroffen war, nur eine Bestrahlung war nötig. “Bei mir wurde ein bösartiges Prostata-Geschwür diagnostiziert, deswegen hat mein Sohn einen Termin für mich beim Champalimaud Zentrum gemacht”, sagt er. “Nach der Untersuchung kam man zu dem Schluss, dass ich mich einer Radiochirurgie unterziehen musste, was ich auch tat. Es war genauso wie eine Röntgenaufnahme oder eine Computertomografie. Ich spürte keinerlei Schmerzen oder Unwohlsein, und auch jetzt fühle ich mich gut.”

Leider haben nicht alle Patienten so viel Glück, wie Jose. Viele Krebserkrankungen lassen sich nicht so einfach behandeln. Doch mit der Radiochirurgie eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Zukunft.