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Deutsche warnen im Chor vor EZB-Mikrozinsen

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Deutsche warnen im Chor vor EZB-Mikrozinsen

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Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) wächst bei deutschen Unternehmen und Banken die Sorge vor negativen Folgen einer noch lockereren Geldpolitik.

Eine weitere Zinssenkung wäre für die deutsche Volkswirtschaft bedenklich, sagte der Chef der staatlichen KfW-Förderbank, (Ulrich Schröder).

Die Notenbank entscheidet am Donnerstag über ihre weitere Geldpolitik. Die EZBwill etwas gegen den Höhenflug des Euro unternehmen und die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front abwenden. Die meisten Experten erwarten, dass der Leitzins von 0,25 auf ein Rekordtief von 0,1 Prozent gesenkt wird. Zudem dürften die Währungshüter zum ersten Mal bei der EZB geparktes Geld mit einem Strafzins belegen, um so die Banken zur verstärkten Kreditvergabe anzuregen.
Alles hängt wieder mal an den Lippen von EZB-Chef Mario Draghi.

Tom Elliott, Anlagestratege, deVere Group:
“Draghi hat ein paar Optionen – die Hände in den Schoß legen, nichts tun und den Fortgang der Stagnation am Rand der Eurozone beobachten. Aber ich meine, er wird etwas tun. Es gibt eine Reihe von Optionen – die offensichtlichste ist ein Leitzins-Schnitt bis in Richtung Null.”

Die Hauptargumente der Skeptiker: Die Niedrigzinspolitik sei schon jetzt hochriskant und begünstige Preisblasen.

Der Präsident der unter den niedrigen Zinsen leidenden Sparkassen, Georg Fahrenschon,sprach sogar von einer Enteignung der Sparer. Durch die lockere Geldpolitik entgingen ihnen jedes Jahr schätzungsweise 15 Milliarden Euro an Zinseinnahmen. Dies seien rund 200 Euro pro Kopf.

Verbraucherschützer Klaus Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, warnt vor Pleiten auf der Suche nach einem Fünkchen Rendite: “Das könnte ein noch stärkerer Anreiz sein, in spekulative Anlagen zu gehen.”
Und der frühere EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark zweifelt: “Die Wirkung ist äußerst fraglich.”

Auch Vertreter von Einzelhandel und Industrie befürchten, dass eine Zinssenkung konjunkturell weitgehend verpuffen würde. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE meint, eine Zinssenkung werde die Kaufbereitschaft der Konsumenten nicht erhöhen. “Eine weitere Senkung wird nicht dazu anreizen, dass mehr investiert wird,” sagte auch die Vizepräsidentin des Industrieverbandes BDI, Ingeborg Neumann.

su mit dpa, Reuters