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Historiker: Ohne Russlands Opfer kein siegreicher D-Day

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Historiker: Ohne Russlands Opfer kein siegreicher D-Day

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“Für die Russen bedeutet der Zweite Weltkrieg sehr viel mehr als Statistiken. 27 Millionen Menschen sind dabei gestorben, die Hälfte davon Russen und der Rest kam aus anderen ehemaligen Sowjetrepubliken – jetzt Ländern. Buchstäblich jede Familie hat jemanden im Krieg verloren, das ist etwas, was der Westen nur schwer verstehen kann”, sagt Dmitry Linnik, Journalist beim staatlichen russischen Rundfunk-Auslandsdienst “Stimme Russlands”.

Bei den Vorbereitungen des Westens zum 70. Jahrestag des D-Days wird die Rolle, die die Sowjetunion dabei gespielt hat, oft unterschätzt. Nachdem sich die Sowjetunion 1941 auf die Seite der Alliierten geschlagen hatte, wurde in Russland die Offensive der Deutschen zurückgeschlagen unter anderem bei der Schlacht von Stalingrad. Der Kampf um Stalingrad gilt als strategisch entscheidend für den Zweiten Weltkrieg, denn die Deutschen glichen die hohen Verluste im Osten mit Truppen von der Westfront aus.

Habbo Koch, Historiker an der Universität von Köln, erklärt: “Die Niederlage beginnt spätestens bei Stalingrad und wird durch den D-Day dann offenkundig und insbesondere in den Folgemonaten auch sichtbar: Dass es keine militärische Bodenverteidigung mehr gibt, die diesem Vormarsch standhalten kann. Allerdings reichte dann auch der Einmarsch in die Normandie nicht aus, um den Krieg zu beenden, der danach ja noch über ein halbes Jahr lang weitergeht.”

Die Feierlichkeiten rund um den D-Day sind eine Gelegenheit für die westlichen Staatschefs, Wladimir Putin persönlich zu treffen und weiterhin Druck auf ihn auszuüben, seinen Griff auf die Ukraine zu lockern. Der russische Staatschef ist seit der Annexion der Krim von den G-7-Gesprächen ausgeschlossen.

Aber Historiker mahnen, dass man trotz der derzeitigen Spannungen nicht die wichtige Rolle vergessen dürfe, die Russland bei der Befreiung der Welt von den Nazis gespielt habe: “Putin ist nun mal der derzeitige Präsident Russlands. Aber wir können trotzdem den Beitrag Russlands, des russischen Volks zum Sieg im Zweiten Weltkrieg nicht leugnen, nur weil Putin ein autoritärer Präsident ist, der seine Macht missbraucht”, so der Politikexperte Pierre Defraigne.

Ein Präsident, der nach einem Jahrzehnt an der Macht, noch immer eine Popularität genießt, von der westliche Staats- und Regierungschefs nur träumen können: Laut einer aktuellen Umfrage sind 83 Prozent der Russen mit der Politik ihres Präsidenten einverstanden.