Eilmeldung

Eilmeldung

Wie Hollywood-Regisseur George Stevens den D-Day dokumentierte

Sie lesen gerade:

Wie Hollywood-Regisseur George Stevens den D-Day dokumentierte

Schriftgrösse Aa Aa

Als am 6. Juni 1944 die HMS Belfast das Startzeichen gab für die Landung der Alliierten in der Normandie, war auch ein Filmemacher an Bord, George Stevens.
Der Regisseur aus Hollywood, bekannt für unbeschwerte Komödien mit Cary Grant oder Katharine Hepburn, leitete die Spezialeinheit Film, die die Befreiung Frankreichs fürs Militärarchiv festhalten sollte.

Doch die Bilder, gedreht auf 16mm Farbfilm, standen viele Jahre lang unangetastet bei George Stevens im Regal.

Erst der Sohn des Regisseurs, George Stevens Jr, ebenfalls ein Filmemacher, der eine Dokumenation über seinen Vater drehen wollte, entdeckte die Filmrollen in den 70er Jahren. Und erinnert sich noch heute an den bewegenden Moment.

George Stevens Jr: “Ich hatte das Gefühl, als erster Mensch den D-Day in Farbe zu erleben. Vor meinen Augen eröffnete sich das Kriegsschiff, die Männer in Schutzwesten, die auf den großen Tag warten. Und plötzlich taucht dieser Mann auf, mit Helm und Jacke, läuft auf die Kamera zu, und es ist mein 37-jähriger Vater. Das war sehr bewegend.”

George Stevens starb 1975. 1994 veröffentliche sein Sohn die Dokumentation “George Stevens: D-Day To Berlin”. Sein Vater hatte nicht nur die Landung in der Normandie dokumentiert, auch die Befreiung der Stadt Paris und des Konzentrationslagers Dachau, am 29. April 1945. Die Bilder sollten später als filmisches Beweismaterial bei den Nürnberger Prozessen dienen.

George Stevens Jr: “Wir glaubten damals, dass es der einzige Farbfilm über den Krieg in Europa war. Später erfuhren wir, dass auch deutsches Filmmaterial entdeckt wurde. Dennoch ist dieser Farbfilm ein ganz einzigartiges Dokument. Denn der 2. Weltkrieg war ein Krieg in Schwarz-Weiß. So haben wir ihn zumindest vor Augen. Und ihn plötzlich in Farbe zu sehen, das eröffnet eine ganz neue Dimension.”

Nach dem Krieg drehte Stevens seine wohl berühmtesten Spielfilme, “Ein Platz an der Sonne”, “Giganten” und “Das Tagebuch der Anne Frank”.

Die mit drei Emmy Awards ausgezeichnete Dokumentation seines Sohnes ist ein unverzichtbares Zeitdokument, gerade auch in diesen Tagen, an denen sich Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie zum 70. Mal jährt.