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Erfolgreicher D-Day dank kolossaler Technik: der künstliche Hafen von Arromanches

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Erfolgreicher D-Day dank kolossaler Technik: der künstliche Hafen von Arromanches

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Bei Ebbe kommen die Betonblöcke aus dem Wasser, sie sehen aus wie das Wrack eines riesigen Zuges. Das ist der Geisterhafen von Arromanches-les-Bains. Ohne diesen künstlichen Hafen in der Normandie wäre der D-Day nicht erfolgreich gewesen. Die schwimmenden Senkkästen wurden in England hergestellt und über den Ärmelkanal geschleppt, um dort zum sogenannten Mulberry-Hafen zusammengebaut zu werden. Der Codename für das gewaltige Unternehmen lautete “Phönix”.

Museumsdirektor Frédéric Sommier: “Alle wichtigen Häfen, Cherbourg und Le Havre waren in der Hand der Deutschen. Es musste also eine Lösung gefunden werden, um die Versorgung der Truppen zu sichern. Churchill hatte diese fabelhafte Idee, einen künstlichen Hafen in England zu bauen, ihn über den Kanal zu transportieren und hier wieder aufzubauen.”

Arromanches wurde am Abend des 6. Juni 1944 befreit, ab dem 7. Juni kamen dort die ersten Boote mit Material an,um den schwimmenden Hafen zu bauen, ab dem 14. Juni lief der Nachschub von Truppen und Material im Mulberry-Hafen an.

Frédéric Sommier: “In einem ersten Schritt hat man alte Handelsschiffe als künstliche Wellenbrecher vor dem schwimmenden Hafen im Meer versenkt.”

Von den anfangs geplanten zwei künstlichen Häfen wurde der am Omaha Beach kurz nach Baubeginn durch einen Sturm zerstört. Der Museumsdirektor erklärt: “Alle Betonteile, bis hin zu den größten, die jeweils 6000 Tonnen wogen, bewegten sich mit den Gezeiten auf und ab. Im Hafen gab es Lade-Plattformen und Anlegeplätze für Schiffe. Ebenfalls bewegliche Straßen führten von den Stegen bis zum Strand. Einen Teil davon können Sie hier hinter dem Museum sehen.”

Die Straßen überbrückten die Strecke zwischen dem tiefen Wasser – Anlegeplatz für große Schiffe – und dem Festland.

Das Museum von Arromanches zeigt Modelle und Filme, um den Besuchern eine Vorstellung dieser gewaltigen technischen Meisterleistung zu geben. Über den künstlichen Hafen bei Arromanches konnten in den acht Monaten seiner Nutzung 2,5 Millionen Soldaten, 500.000 Fahrzeuge und 4 Millionen Tonnen Ausrüstung an Land gehen.

Winterstürme, Gezeiten und Brandung zerstören nach und nach die immer noch sichtbaren Spuren des D-Days: die kolossalen Überreste des Mulberry-Hafens, der bis zu der Einnahme von Cherbourg der wichtigste Nachschubstandort für die Alliierten in der Normandie gewesen ist.

Euronews-Reporterin Laurence Alexandrovic: “Der künstliche Hafen war riesig, er umfasste 500 Hektar, das entspricht 713 Fußballfeldern. Dort konnten bis zu 18.000 Tonnen Material täglich umgesetzt werden.”