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EZB schreddert Leitzins - erzieherische Maßnahmen für Banken

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EZB schreddert Leitzins - erzieherische Maßnahmen für Banken

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf rekordniedrige 0,15 Prozent gesenkt und pumpt weitere Milliarden in die Finanzmärkte – aus Angst vor einer Deflationsspirale und einer Kreditklemme in der Wirtschaft.

Verbunden mit erzieherischen Maßnahmen für die Banken: Wer liquide Mittel nicht verleiht, sondern bei der Zentralbank parkt, muss 0,1 Prozent Strafzinsen zahlen.

Und günstige Notkredite müssen zumindest teilweise Unternehmen und Privatkunden erreichen. Staatsfinanzierung gilt nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) will unter anderem über Käufe von Wertpapieren, die mit Krediten besichert sind (ABS), und mittels neuer langfristiger Notenbank-Kredite (LTRO) Geld ins Finanzsytem pumpen. Letztere hätten zunächst ein Volumen von 400 Milliarden Euro. Das billige Geld hat zum ersten Mal eine Laufzeit von vier Jahren bis 2018.

Die Vergabe der Notkredite wird, anders als bisher, an Bedingungen geknüpft: Die Geschäftsbanken müssen die Mittel zumindest teilweise an Unternehmen und Privatkunden weiterreichen.

Außerdem stellte EZB-Präsident Mario Draghi kurzfristige weitere Maßnahmen in Aussicht, wenn nötig.

Draghi: “Wir haben eine Kombination von Maßnahmen beschlossen, zusätzliche geldpolitische Lockerung und Anreize für Kredite an die Realwirtschaft.”

Seit Draghi an den Stellschrauben dreht, sank der Leitzins in der Eurozone von einem auf 0,15 Prozent. Gleichzeitig schrumpfte leider auch die Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent. ("OECD" : (918,6812 Milliarden Dollar (2013) nach 10.029, 4137 Milliarden Dollar (2011)).

Dass es weniger am lockeren Geld hapert als am Grundvertrauen in die wirtschaftliche Zukunft und am Transmissionsmechanismus der Geldpolitik, das geben selbst Leute aus dem EZB-Direktorium zu.

Bei zwei Passanten in Köln lösen auch die aktuellen Maßnahmen keine Kaufwut aus. Sondern nur noch Wut.

“Man sollten den Banken an den Arsch gehen. Die können sich preiswert refinanzieren und der Sparer ist der Gearschte. Also muss man da irgendetwas tun.”

Ein anderer hat seine Reserven im Bankschließfach.liegen – in bar:

“Ich spare nicht mehr. Keinen Cent. Ich habe so viel erlebt, so viel rauf und runter in unserem Lande – da wird man schlau.”

In der Krise hatte die EZB Billionen in das Finanzsystem gepumpt, um den stockenden Kreditfluss in Teilen der Währungsunion zu beleben.

Doch viele Banken nutzten das billige Geld
stattdessen, um damit höher verzinste Staatsanleihen aufzukaufen.

Darauf Draghi im Januar: “Wenn wir wieder etwas Ähnliches machen, wollen wir sicherstellen, dass das Geld in die
Wirtschaft fließt.”

su mit dpa