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D-Day: 100-jähriger Veteran aus Kanada erinnert sich

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D-Day: 100-jähriger Veteran aus Kanada erinnert sich

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Weltkriegs-Veteran Ernest Coté aus Kanada auf dem Soldatenfriedhof Beny Reviers in der französischen Normandie.
Hier fanden 2200 kanadische Soldaten ihre letzte Ruhe, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren.
Ernest Coté war direkt am D-Day in der Normandie beteiligt. In unmittelbarer Nähe des Soldatenfriedhofs, am Strandabschnitt Juno Beach.

Im Euronews-Interview erinnert sich der 100 Jahre alte Veteran an die Geschenisse vom 6. Juni 1944:

“Die Landung begann für die kanadischen Truppen etwa um acht Uhr. Sie lief ganz gut, aber natürlich gab es Tote auf der linken und rechten Seite.”

Zur Verwunderung Cotés wollten seine britischen Kameraden auch in dieser extremen Situation nicht von ihren Gewohnheiten lassen.

“Die britischen Soldaten lehnten an der Rampe. Eine Gruppe hatte Kaffeebecher in der Hand und trank Tee daraus. Ich sagte zum Kapitän: Hören Sie zu, wenn Sie ihren Tee ausgetrunken haben, müssen wir die Toten so schnell wie möglich wegschaffen. Ihr Anblick ist nicht gut für die Moral der neu Eintreffenden.”

Mit der erfolgreichen Landung waren für die überlebenden alliierten Soldaten die Strapazen noch nicht beendet. Für viele lautete der Auftrag, weiter ins Landesinnere vorzudringen:

“Die Infanterie sollte acht Kilometer landeinwärts zurücklegen. Zu Fuß, auf lateinisch sagt man: Pedibus cum jambis. Aber die Soldaten kamen nicht so weit. Für die vierte Welle der Kameraden haben wir dann hundert klappbare Fahrräder bereitgehalten. Das hat denen geholfen.”

Coté ist einer von etwa 100 Veteranen aus Kanada, die zu den D-Day-Feierlichkeiten in die Normandie gereist sind.

“Die kanadischen Truppen haben damals zuerst Deutsche gefangengenommen. Dafür wurden sie von den Leuten in der Normandie mit Calvados und anderen Sachen verwöhnt. Die Normannen waren unglaublich glücklich, obwohl viele von ihnen Frauen, Kinder und ihr Zuhause verloren hatten. Die Menschen in der Normandie haben unglaublich gelitten. Das ist schwer fassbar, wenn man heute den Wohlstand hier sieht. Diesen Wohlstand sehe ich als Folge der Befreiung vom Joch der Deutschen.”

Am 12. Juni wird Coté 101 Jahre alt.
Wenn er sich an die Ereignisse vor genau siebzig Jahren erinnert, ist der Veteran bemüht, übergeordnete Werte voranzustellen:

“Unglücklicherweise beruhen meine Erinnerungen auf denjenigen, die ihr Leben verloren haben. Aber es gilt eben auch, dass Freiheit ihren Preis hat. Und wenn man die Grabsteine hier betrachtet, säuberlich aneinandergereiht, dann sind das die individuellen Opfer für die Freiheit.”

“Die Kriegserinnerungen hier in Beny Reviers in der friedfertigen Normandie sind extrem bewegend,” sagt die Euronews-Reporterin vor Ort. “Mehr als 2000 Soldaten aus Kanada haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Der jüngste kanadische Soldat war gerade einmal 16 Jahre alt.”