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Nach Ukraine: Verliert nun Moldawien Gebiete?

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Nach Ukraine: Verliert nun Moldawien Gebiete?

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Das international nicht anerkannte Land Transnistrien will ein Teil Russlands werden. Euronews traf den Machthaber des Landes in der Hauptstadt Tiraspol. Jewgeni Schewtschuk regiert Transnistrien seit 2011, manche Beobachter halten ihn für einen Reformer. Transnistrien gehört völkerrechtlich zu Moldawien, auch wenn sich das Land 1990 für unabhängig erklärte. Im Land stehen russische Soldaten.

euronews

“Genosse Schewtschuk, an der Wand hängen ein Foto des Genossen Putin und ein Gemälde des Kremls in Moskau. Befinden wir uns hier auf russischem oder auf moldawischem Boden?”

Jewgeni Schewtschuk

“Wir befinden uns auf dem Territorium Transnistriens; übrigens hängt da auch das Foto des russischen Patriarchen.”

euronews

“Können die Unruhen in der Ukraine überschwappen nach Moldawien?”

Jewgeni Schewtschuk

“Wir machen uns große Sorgen wegen der Ereignisse in der Ukraine, doch wir hoffen, dass das keine direkten Folgen für uns haben wird.”

euronews

“Was ist ihre zentrale Botschaft an die Regierung in Kiew?”

Jewgeni Schewtschuk

“Stop! Keine Gewalt!”

euronews

“In wenigen Tagen wird Moldawien das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnen, welche Folgen wird das für Transnistrien haben?”

Jewgeni Schewtschuk

“Die Unterzeichnung dieses Abkommens wird negative wirtschaftliche Folgen für uns haben, denn wir haben an den Verhandlungen selber nicht teilgenommen. Es gibt sicherlich einige positive Punkte in diesem Freihandelsabkommen, doch die Nachteile überwiegen.

Deshalb, aufgrund dieser negativen Folgen, lehnen wir das Abkommen ab. Wir haben bereits während der Verhandlungen auf die negativen Konsequenzen hingewiesen und auch heute warnen wir davor. Doch offenbar hört niemand auf unsere Warnungen.”

euronews

“Könnte eine Wiedervereinigung mit Moldawien nicht die Probleme aus dem Weg räumen?”

Jewgeni Schewtschuk

“Eine Wiedervereinigung wäre eine gute Idee, gäbe es da nicht offene Streitfragen zwischen Transnistrien und Moldawien. Und die Menschen in Transnistriens müssten natürlich bereit sein, für eine Wiedervereinigung mit Moldawien. Doch das ist nicht der Fall, ganz im Gegenteil.

Wir denken, die beste Lösung ist die sogenannte ‘zivilisierte Scheidung’ Transnistriens von Moldawien. Wir hätten anschließend gute Chancen für eine Neuordnung der transnistrischen Aussenhandelsbeziehungen.”

euronews

“Schliessen Sie damit eine Wiedervereinigung völlig aus, ja oder nein?”

Jewgeni Schewtschuk

“Diese Frage sollten die Bürger beantworten, nicht der Präsident. Und der Wille unserer Bürger hat in einem Referendum seinen Ausdruck gefunden. Es ist klar, dass die Menschen keine Wiedervereinigung mit Moldawien wollen.”

euronews

“Transnistrien will ein Teil Russlands werden. Doch riskieren Sie damit nicht, dass der ‘eingefrorene Konflikt’ hier wieder zu einem ‘heissen Konflikt’ wird? Riskieren Sie nicht Krieg und Blutvergiessen?”

Jewgeni Schewtschuk

“Unser oberstes Ziel ist selbstverständlich die Anerkennung unserer staatlichen Unabhängigkeit. Das ist der erste Schritt. Und wir wollen, dass der Wille des transnistrischen Volkes berücksichtigt wird.

Es gibt in der Welt sicherlich auch Staaten mit anderen Ansichten. Der eine oder andere Staat könnte sicherlich darunter sein, der an Konfliktlösung durch Gewaltanwendung denkt.

Doch ich glaube nicht, dass eine derartige Gewaltstrategie ins 21. Jahrhundert passt. In diesem Jahrhundert sollten wir die Probleme am Verhandlungstisch lösen und wir sollten den Bürgerwillen, den Willen des Volkes respektieren.”

euronews

“Mir liegen Informationen vor, nach denen Schläger aus Transnistrien in die Ukraine eingedrungen sind und an den Unruhen in Odessa teilnahmen. Können Sie das bestätigen? Wussten Sie davon?”

Jewgeni Schewtschuk

“Das waren Falschinformationen, die von ukrainischen Massenmedien und einigen Behörden gestreut wurden. Ich hatte ein Treffen mit dem Botschafter der Ukraine in Moldawien und mit dem ukrainischen Sonderbeauftragten für die Verhandlungen zwischen Moldawien und Transnistrien, und beide haben das dementiert. Aktivisten aus Transnistrien waren NICHT an den Ereignissen in Odessa beteiligt.”

euronews

“Ein Bericht des Europaparlaments beschreibt Transnistrien als Drehscheibe für organisierte Kriminalität, Schmuggel und Menschenhandel. Dieser Bericht wurde zur Zeit ihres Amtsvorgängers, Herrn Smirnov, veröffentlicht. Sind die Vorwürfe auch heute noch gültig?”

Jewgeni Schewtschuk

“Wenn wir über Schmuggel reden, so muss ich betonen, dass derartige Phänomene in vielen Staaten vorkommen, übrigens auch in solchen, die sehr gut geschützte Grenzen haben.

Transnistrien wurde des Waffenschmuggels bezichtigt und des Menschenhandels. Das ist auch heute noch immer wieder zu hören. Doch ich möchte hiermit ganz offiziell feststellen, dass der Staat Transnistrien in derartige Schmuggel-Aktivitäten NICHT verwickelt ist.

Das sind Gerüchte, die in der Absicht gestreut werden, in den EU-Staaten Furcht zu verbreiten, damit die Staatengemeinschaft gegen Transnistrien vorgeht, unter dem Vorwand, den Schmuggel zu bekämpfen.”

euronews

“Wieviele Pässe hat Russland eigentlich hier in der Gegend ausgegeben, in den vergangenen Monaten und Jahren? Und übrigens: Was haben Sie denn für einen Pass?”

Jewgeni Schewtschuk

“Etwa 200.000 russische Bürger leben hier in Transnistrien. Man kann bei uns auch mehrere Staatsbürgerschaften besitzen. Das Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das Bürgern Transnistriens Mehrfachstaatsbürgerschaften erlaubt.

Ich möchte hinzufügen, dass ich ein Bürger der Russischen Föderation bin und KEIN Bürger Moldawiens. Gäbe es einen Pass für Weltbürger, würde ich gerne einen beantragen.”