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"Martyrs" von Bill Viola

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"Martyrs" von Bill Viola

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Der US-amerikanische Videokünstler Bill Viola bringt Besinnung in die Kirche. In einem Seitenschiff der St. Pauls Kathedrale in London ist jetzt seine neueste Installation “Martyrs”, zu Deutsch “Märtyrer”, zu sehen. Auf großen Plasma-Schirmen kämpfen vier Darsteller mit den Naturkräften Erde, Wind, Feuer und Wasser. Ihr in langsamen Bewegungen demonstriertes Märtyrertum soll verstehen helfen, “wer wir
auf diesem Planeten sind”, so Viola.

Violas Lebenspartnerin und Mitarbeiterin Kira Perov beschreibt das so: “Es gibt nicht nur eine christliche oder islamische Sichtweise oder überhaupt irgendeine Sichtweise. Da übernehmen wirklich die Naturgewalten die Sache, und die Gewalt der Natur, das ist auch der Tod.”

Die Figuren, teils an Händen und Füßen gefesselt, erscheinen in dem rund siebenminütigen Film zunächst unbeweglich, bis ihre Stille von den Elementen gestört wird. Der Videopionier selbst sagt: “Wir versuchen, die Leute langsamer werden zu lassen. Die Welt ist zu schnell geworden. Ich denke, wir müssen sehr vorsichtig sein und Yoga und Meditation praktizieren. Das sagt auch der Dalai Lama immer.”

Auf dem Höhepunkt ihrer “dunkelsten Stunde” gleiten die Märtyrer laut Viola “durch den Tod in das Licht”. Der Künstler sieht in ihrer Leidensfähigkeit die Freisetzung von “kollektiven Energien” gegen Ungerechtigkeit,
Dummheit und Täuschung. Im Zeitalter der Massenmedien werde jedermann zum Zeugen des Leidens
anderer.

Im nächsten Jahr soll eine zweite Viola-Installation, “Mary”, folgen. In der Galerie Tate Modern wird zeitgleich Violas Installation “Tiny Deaths” von 1993 zur Schau gestellt.