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Referendum in Schottland: Yes or No?

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Referendum in Schottland: Yes or No?

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In genau 100 Tagen können die Schotten entscheiden: Wollen sie Teil des Vereinigten Königreichs bleiben – oder unabhängig werden, nach mehr als 300 Jahren? Yes or No, diese Frage wird am 18. September den vier Millionen stimmberechtigten Schotten gestellt.

Mitte Oktober 2012 unterschrieben der britische Premierminister David Cameron und der schottische Erste Minister Alex Salmond die Abkommen von Edinburgh und gaben damit grünes Licht für ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands.

Einer Umfrage der “Financial Times” zufolge gibt es noch keine Mehrheit für die Abspaltung: 48 Prozent wollen im Vereinigten Königreich bleiben, 35 Prozent sind für die Unabhängigkeit. Viele sind noch unentschieden. Ein Passant in Edinburgh ist hin- und hergerissen: “Mein Herz schlägt für Schottland, aber mein Kopf sagt, dass wir im Vereinigten Königreich zusammenhalten sollten. Ich habe mich noch nicht entschieden.”

Treibende Kraft hinter der Kampagne für die Unabhängigkeit ist die in Edinburgh mit absoluter Mehrheit regierende Schottische Nationalpartei SNP. Über die Auswirkungen eines Austritts Schottlands wird seit Monaten gestritten.

Alex Salmond, der Erste Minister Schottlands, rechnet vor, dass im Falle eines “Ja”, jeder Bewohner rund 1200 Euro mehr pro Jahr verdienen könne. Er geht von einem jährlichen Wirtschaftswachstum von mehr als sechs Milliarden Euro aus. “Über einen Zeitraum von 15 Jahren können wir Schottland zu einer erfolgreicheren Gesellschaft machen. Das ist ein sehr viel glaubhafteres Argument, als die Statistiken des britischen Finanzministeriums, die alle widerlegt werden können,” so Salmond. Er zählt u.a. auf die Steuereinnahmen aus der Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Die könnte er im Falle einer Loslösung für den eigenen Staatshaushalt verbuchen. Derzeit fließt das Geld noch nach London.

Der britische Premierminister David Cameron und die oppositionelle Labour Partei hingegen werben für den Status quo. Schottland sei reicher und mächtiger, wenn es im Vereinigten Königreich bleibe. Danny Alexander, Chefsekretär des britischen Schatzamtes, erklärt: ‘‘Wenn wir zusammenbleiben, wird Schottlands Zukunft sicherer sein, mit stärkeren Finanzen. Im Vereinigten Königreich legen wir die Ressourcen zusammen und teilen die Risiken.”

London setzt auf Zuckerbrot und Peitsche. Es verspricht Schottland noch mehr Eigenständigkeit, in der Steuerpolitik etwa. Zugleich droht es mit dem Verlust der Währung: Falls sich Schottland abspalte, könne es nicht wie gewünscht das britische Pfund behalten.