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ISIS und ihr Traum von einem neuen islamistischen Staat

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ISIS und ihr Traum von einem neuen islamistischen Staat

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Die Organisation “Islamischer Staat im Irak und in Syrien”, ISIS, ist im arabischen Raum auf dem Vormarsch. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat. Derzeit kontrolliert sie Gebiete in Syrien und im Irak. Die islamistische Gruppe will die aktuellen Grenzen niederreißen. Al-Qaida verfügte nie über ein so großes Territorium.

ISIS ist auch unter dem Namen “Islamischer Staat im Irak und der Levante” bekannt. Der Begriff Levante, Sonnenaufgang, Shâm auf arabisch, umfasst Syrien, Jordanien, Libanon, Palästina und auch ein Teil des Sinai. Hier findet man also den Anspruch wieder, einen sunnitischen Gottesstaat zwischen Mittelmeer und dem Fluss Euphrat zu errichten.

In den Gebieten, die sie kontrolliert, erlässt ISIS drakonische Regeln. Es gilt das Gesetz der Scharia, und den Gegnern der Islamisten droht die Todesstrafe. Der Chef Abou Bakr Al-Baghdadi ist ein ehemaliges al-Qaida-Mitglied. Er zählt zu den zehn gefährlichsten Terroristen weltweit. Er ist 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren und behauptet ein direkter Nachfahre des Propheten Mohammed zu sein.

Seine Anhänger nennen ihn ehrfürchtig “Dr. Abu Dua” in Anspielung auf eine Doktorarbeit in Islamwissenschaften, die er angeblich an der Universität von Bagdad abgeschlossen hat. Während der US-Invasion im Irak 2003 schließt er sich al-Qaida an. 2010 wird er Chef der Gruppe “Islamischer Staat im Irak”. 2013 rückt er mit seinen Kämpfern nach Syrien vor und will fortan den Dschihad in beiden Ländern voranbringen.

US-Geheimdiensten zufolge hat er bis zu 10.000 Getreue. ISIS finanziert sich durch Spenden aus den Golfstaaten, Diebstahl, Entführung und Erpressung. Es wird auch davon ausgegangen, dass die Sunniten im Irak eine Art Steuer zahlen. In Syrien kontrolliert die Gruppe bereits das größte Ölfeld des Landes in der Region Deir ez-Zor. Mit der Eroberung der irakischen Stadt Mossul hat sich ISIS weiter bereichert. Die Kämpfer sollen bei der Einnahme einer Filiale der Zentralbank mehr als 300 Millionen Euro erbeutet haben. Und die größte Ölraffinerie Iraks in Baïji, im Süden Mossuls, dürften sie in Kürze kontrollieren.

Die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad lässt die ISIS-Kämpfer aus taktischen Gründen gewähren. Die irakische Regierung, die von der schiitischen Mehrheit des Landes dominiert wird, ist nicht dazu in der Lage, die Gruppe aufzuhalten. Die sunnitische Minderheit des Landes untertützt größtenteils ISIS.

Die USA sind 2003 im Irak einmarschiert und erklärten dem Terrorismus den Krieg. Elf Jahre später triumphieren die Dschihadisten. Für Washington ein Desaster, für die Iraker und Syrer eine Tragödie und für die Europäer eine mögliche Bedrohung.