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Schnelle Satelliten: vom Tor ins TV

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Schnelle Satelliten: vom Tor ins TV

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Die WM ist zweifellos ein globales Massenereignis. Tausende Fans sehen sich die Spiele im Stadion an. Aber auch geschätzte 3,2 Milliarden Menschen werden vor dem Fernseher live dabei sein.

Das bedeutet: Fast die Hälfte der Erdbevölkerung schaut zu, wenn es in den zwölf brasilianischen Fußball-Stadien rundgeht.

Der Chef für Telekommunikations-Projekte der ESA Xavier Lobao meint, “egal, welche Technologie die heimischen Fernseher nutzen, immer sind Satelliten im Spiel.”

Bei Satellitenbetreibern wie SES hier in Luxemburg fällt die WM-Übertragung in die Kategorie “gelegentliche Nutzung”. So werden die meisten Live-Großereignisse übertragen. Die Satelliten arbeiten auf Hochtouren. Die Nachfrage nach der Satellitenkapazität ist enorm hoch, da einige Fußball-Stadien in abgelegenen brasilianischen Gebieten liegen.

SES-Mitarbeiter Richard Lamb erklärt, “die WM in Brasilien unterscheidet sich von früheren Großereignissen, da die Glasfaserinfrastruktur zwischen den Stadien nicht ausreichend ausgebaut ist. Deswegen fällt mehr Arbeit für die Satelliten ab.”

Verschaffen wir uns einen Überblick darüber, wie ein geschossenes Tor in Sao Paulo auf unsere heimischen Fernseher übertragen wird. Im Übertragungsprozess vom Stadion bis ins Wohnzimmer wandert das Signal von der Kamera über das Studio, über den Satelliten, über das Downlink-Signal – zum Fernseher.

Wenn also die Spieler in Brasilien ein Tor feiern, können wir den Moment mit ihnen teilen.

SES-Cheftechnologe Martin Halliwell: “Normalerweise brauchen die Pässe von Station zu Station nur durchschnittlich eine halbe Sekunde. Dazu kommt ein kleines bisschen Zeit, die es braucht, um das Signal zu verarbeiten. Sie können sich also ausrechnen: Nachdem der Ball in Rio ins Netz gegangen ist, werden Menschen in Nordsibirien das Tor nur eine bis anderthalb Sekunden später sehen.”

Telekom-Satelliten zu bauen, in Betrieb zu nehmen und zu betreiben ist ein umkämpftes Feld. Die größten Akteure sind der europäische Eutelsat-Betreiber mit 37 sowie SES mit 55 Satelliten.

Der Satellit Amazonas 1 der Betreibergesellschaft Hispasat hat eine Schlüsselposition in der WM-Übertragungskette. Währenddessen hilft die ESA der Industrie bei der Entwicklung neuer Technologien.

Zum ersten Mal werden bei dieser Weltmeisterschaft einige Spiele in Ultra HD-Qualität aufgezeichnet.

Bei SES ist Thomas Wrede für die Entwicklung neuer Technologien verantwortlich. Wrede erklärt, “die letzte Anschaffung in unserem Media Demo-Raum ist ein 84er Ultra HD Flachbildschirm, auf dem wir die Übertragung und Qualität von Ultra HD-Signalen überprüfen. Wir arbeiten darüber hinaus an einer Technologie mit dem Namen SAT-IP – also einer Satellit-Internet-Technik, mit der beispielsweise Live-Fernsehen auf ein Tablet oder ein Notebook übertragen wird. Dieses hier ist über das heimische WLAN-Netz verbunden.”

Egal, auf welchem Gerät die WM läuft, sie wird von Maschinen in 36.000 Kilometer-Entfernung im All gespeist. Diese befinden sich auf einer geostationären Umlaufbahn und decken bestimmte Gegenden auf dem Planeten ab. Die Satelliten laufen über Solarenergie, um die Übertragungssignale zu senden. Und das in feindlicher Umgebung… SES-Chef-Technologe Martin Halliwell meint, “Satelliten im All haben kein leichtes Spiel. Sie sind von einem schwierigen Umfeld umgeben, es ist sehr kalt, die Strahlung ist hoch. Das Gerät ist großen Anziehungskräften ausgesetzt. Das alles muss bei der Herstellung und Entwicklung berücksichtigt werden. Nehmen wir Europa als Beispiel. Wegen der Anziehungskraft des Mondes sind die Satelliten nach Norden ausgerichtet, gleichzeitig werden sie aufgrund der Massenkonzentration des Himalaya in Richtung Osten gelenkt.”

Trotz des schwierigen Umfelds haben Satelliten eine Halbwertszeit von mindestens 15 Jahren im All. Sie können jedes TV-Bild verarbeiten.
Lobao wagt einen Blick in die Zukunft: “Angesichts der Fortschritte in tragbarer Technologie werden wohl in Zukunft auch Fußballspieler Kameras tragen. Dann kann ich wählen, ob ich den Blickwinkel des Stürmers will, während er angreift. Wenn es zu einem Elfmeter kommt, kann ich ihn aus Sicht des Torwarts sehen.”

So sollen neue Technologien Spaß und Spannung beim Sport weiter vergrößern.

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