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Afghanistan: Taliban schneiden Wählern Finger ab

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Afghanistan: Taliban schneiden Wählern Finger ab

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Rund sieben Millionen Afghanen haben einen Nachfolger für Präsident Hamid Karsai gewählt. Die Taliban hatten zum Boykott der Abstimmung aufgerufen. Ein vorläufiges Wahlergebnis wird wegen der langwierigen Stimmenauszählung und der Überprüfung von Betrugsvorwürfen erst Anfang Juli verkündet. Es handelt sich um den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes. Bei der von Gewalt überschatteten Stichwahl traten Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sowie der frühere Finanzminister Aschraf Ghani gegeneinander an.

Bei zahlreichen Anschlägen und Gefechten kamen am Wahltag Dutzende Menschen ums Leben. Nach Angaben des Innenministeriums kam es landesweit zu 150 Anschlägen und Angriffen. Die Taliban schnitten mehreren Wählern die Finger ab, weil diese ihren Aufruf zum Wahlboykott ignoriert hatten. Die Opfer seien in der westafghanischen Provinz Herat ins Krankenhaus gebracht worden, teilte Vize-Innenminister Mohammad Ajub Salangi am Samstagabend über Twitter mit. Bei Wahlen in Afghanistan wird ein Zeigefinger des Wählers mit lange nicht abwaschbarer Tinte markiert, um eine mehrfache Stimmabgabe zu verhindern. Damit wird allerdings auch für die Taliban ersichtlich, wer deren Aufruf zum Wahlboykott missachtet hat. Die Taliban hatten Afghanen mit dem Tode bedroht, sollten sie wählen gehen.

Der scheidende Präsident Karsai gratulierte seinen Landsleuten am Abend dazu, trotz der Gewalt mit einem “starken Herzen” gewählt und Afghanistan “stolz und erfolgreich” gemacht zu haben. Karsai sprach von einem “großen Schritt in Richtung Stabilität und Frieden”. Karsai durfte nach den Vorgaben der Verfassung nicht ein drittes Mal kandidieren. Er regiert Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.

Abdullah war bei der ersten Wahlrunde auf 45 Prozent der Stimmen gekommen und hatte die erforderliche absolute Mehrheit damit verfehlt. Ghani gewann 31,6 Prozent der Stimmen. Sowohl Abdullah als auch Ghani haben im Falle ihres Wahlsieges versprochen, die Sicherheitslage zu verbessern, wirtschaftliche Probleme anzugehen und die Korruption zu bekämpfen. Beide haben außerdem zugesagt, ein Sicherheitsabkommen mit den USA zu unterschreiben, das Voraussetzung für einen internationalen Militäreinsatz nach Ablauf dieses Jahres ist. Die US-Regierung lobte die Wahl und sagte dem künftigen Präsidenten Unterstützung zu.