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Alte Pleite, neue Pleite? Argentinien will mit "Aasgeiern" sprechen

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Alte Pleite, neue Pleite? Argentinien will mit "Aasgeiern" sprechen

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960 Millionen Euro bis Ende Juni – das soll Argentinien zwei US-Hedgefonds zahlen. Die Fonds hatten erfolgreich gegen den Schuldenschnitt im Jahr 2001 geklagt und Vorzugsbehandlung verlangt. Damals war das Land pleite, mit fast 100 Milliarden Dollar Schulden.

Mit den meisten Gläubigern – 93 Prozent – hatte sich Argentinien seit 2008 auf eine Umschuldung geeinigt: Die Gläubiger verzichteten auf einen Großteil des Geldes.

Jetzt entschied das höchste Gericht der USA, dass Argentinien den Eigentümern von Anleihen, die das Land nicht mehr bedient hatte, den vollständigen Betrag der Anleihen zahlen muss, wenn es Zahlungen auf seine umstrukturierten Papiere leistet.

Nun fürchtet Argentiniens Regierung Forderungen in Höhe von bis zu 15 Milliarden Dollar von anderen Gläubigern, die nach dem Zahlungsausfall im Jahr 2001 ebenfalls eine Umschuldung ihrer Anleihen abgelehnt hatten.

Axel Kicillof, Argentinien Wirtschaftsminister:

“Wir können uns nicht erlauben, unseren Verpflichtungen bei den Gläubigern nicht nachzukommen, die zur Umstrukturierung bereit sind, bei den 93 Prozent. Sie bekommen pünktlich ihre Zahlungen und wir werden nicht hinnehmen, dass man uns vom Zahlen abhält.”

Erst im Mai hatte Argentinien einen Rückzahlungsplan über den Rest der Schulden mit den im Pariser Club versammelten staatlichen Kreditgebern vereinbart.

Der Spruch des Obersten Gerichtshofs der USA könnte nun eine neue Staatspleite bedeuten.

Das Land hat nur noch 28 Milliarden Dollar Devisenreserven. Staatschefin Cristina Fernandez de Kirchner beschimpfte die spekulativen Fonds als “Aasgeier” und will verhandeln.

Zu Pleitezeiten hatte das Land den Schuldendienst eingestellt. Fast alle Anleihegläubiger fanden sich bei zwei Umschuldungen 2005 und 2010 mit einem Bruchteil ihrer Forderungen ab, um nicht völlig leer auszugehen.

Eine Gruppe von Investoren, angeführt vom Hedgefonds NML Capital aus der Elliott-Management-Gruppe des US-Milliardärs Paul Singer, fordert die volle Rückzahlung.

su mit Reuters