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Juan Carlos - der König, der Spanien in die Demokratie führte

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Juan Carlos - der König, der Spanien in die Demokratie führte

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“Was ist der Sinn des Königs von Spanien?” hat einmal ein Madrider Journalist gefragt. Juan Carlos hat darauf vielfach Antwort gegeben, angefangen mit dem von ihm gelenkten friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie vor knapp einem Vierteljahrhundert.

Zwei Tage nach dem Tod von General Franco wurde Juan Carlos am 22. November 1975 mit 37 Jahren zum König proklamiert. In seiner ersten Rede im Parlament sagte er, er wolle die Demokratie wiederherstellen und ein König aller Spanier sein.

Geboren 1938 in Italien, wo seine Familie im Exil lebte, wurde er im Alter von 10 Jahren dem Diktator Franco in Spanien zur Erziehung übergeben. Nach dem Abitur 1954 durchlief er eine Militärausbildung.

1962 heiratete er Prinzessin Sophia von Griechenland. Das Paar bekam drei Kinder: die beiden Töchter Elena und Cristina und einen Sohn, Felipe.

Als König leitete Juan Carlos schnell demokratische Reformen ein. Im Juni 1977 wurden erstmals nach 1936 wieder freie Wahlen zum Parlament abgehalten. Es wurde eine Verfassung ausgearbeitet, die Spanien zu einer parlamentarischen Monarchie machte.

Sein Charisma zeigte sich 1981 als Franco-Anhänger in der Armee einen Putsch versuchten und das Parlament stürmten. Als Oberbefehlshaber befahl er ihnen, in die Kasernen zurückzukehren.

In den fast drei Jahrzehnten des Wohlstands seit den 1980er-Jahren war Juan Carlos ein beliebter König. Mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 verlor auch das Königshaus an Rückhalt im Volk. Ein weiteres Problem: Die erstarkende katalonische Unabhängigkeitsbewegung bedroht die Einheit Spaniens.

Die Zustimmung zur Monarchie im Volk kippte zusehends, als die Königsfamilie ab 2012 verstärkt durch Skandale im Mittelpunkt stand. Im Februar dieses Jahres musste Juan Carlos Tochter Cristina vor Gericht aussagen, da gegen ihren Mann wegen Korruption ermittelt wird. Bereits 2012 schlug die Luxus-Elefantenjagd des Königs in Botsuana hohe Wellen. Bekannt wurde die Safari nur, weil sich der König dabei die Hüfte brach. Nach seinem Krankenhausaufenthalt entschuldigte er sich öffentlich: “Ich bedauere das sehr. Ich habe mich geirrt. So etwas wird nicht wieder vorkommen.”

Nach Jahren der Rezession beginnt Spanien allmählich, die Wirtschaftskrise zu überwinden. Aber die Monarchie steckt in der Krise, das Image der Königfamilie ist so schlecht wie nie.

Am 2. Juni gab Ministerpräsident Mariano Rajoy bekannt, dass Juan Carlos abdanken werde. Auch wenn der Schritt die Öffentlichkeit überraschte, war die Abdankung gut geplant. Nach fast 39 Jahren auf dem Thron übergibt Juan Carlos das Zepter an seinen Sohn Felipe, der dem Könighaus zur neuen Popularität verhelfen soll. Er tritt ein schwieriges Erbe an.