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Königin Letizia, die Bürgerliche auf dem spanischen Thron.

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Königin Letizia, die Bürgerliche auf dem spanischen Thron.

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Dies ist das offizielle Hochzeitsvideo des Kronprinzenpaares von Mai 2004. Erstmals heiratete ein spanischer Thronanwärter eine Bürgerliche – und behielt trotzdem seinen Anspruch auf den Thron. “Ende gut alles gute”, wird manch Eingeweihter beim fröhlichen Winken mit dem Königspaar gedacht haben. Denn der Kronprinz hatte seine Mühe, bei den königlichen Eltern seine Auserwählte durchzusetzen. Eine Fernsehjournalistin, die noch dazu schon eine gescheiterte Ehe mit ihrem Literaturprofessor hinter sich hatte. Allerdings ohne kirchlichen Segen. Die sich zunächst auch ungewöhnlich selbstbewusst benahm für eine Frau, deren wichtigste Aufgabe nun das Gebären von Thronfolgern sein sollte.
Zur Verlobung im weißen Hosenanzug, das entsprach nicht dem Stil des Hochadels. Und dann fiel sie ihrem hochgestellten Verlobten beim Interview auch noch ins Wort…

Da übernahm erst einmal die künftige Schwiegermutter, Königin Sofia, Letizias Ausbildung zur Prinzessin. Das dürfte für die junge Frau, die es gewohnt war, selbst zu entscheiden, nicht leicht gewesen sein. Beobachter vermerkten, wie sie immer dünner wurde.

Was sich gut traf – sei stammt aus Oviedo, der Hauptstadt von Asturien. Der Thronfolger trägt den Titel “Prinz von Asturien” und hat als wichtigste Aufgabe seiner Lehrjahre für den Königsberuf den nach seinem Titel benannten Preis alljährlich in Oviedo verliehen. Die Leute dort freuen sich, dass eine aus ihrer Stadt erst Prinzessin und dann Königin wird.

Königin wird sie mit 41. Zwei Töchter hat sie geboren, aber keinen männlichen Erben. Von ihrem Ehemann war zu hören, man wolle nicht mehr das jahrhundertealte salische Recht anwenden, das Frauen von der Thronfolge ausschließt. Schließlich hatte Spanien in seiner Geschichte schon regierende Königinnen. Und außerdem liegt das im Trend der Zeit. Die Königshäuser in Schweden, Belgien, Norwegen und Großbritannien haben diese Änderung schon vorgenommen. Damit würde dann die 2005 geborene Leonor Thronfolgerin werden.

Es gab auch sehr schmerzhafte Momente für die Kronprinzessin. 2007, sie war gerade schwanger mit der zweiten Tochter, nahm sich ihre jüngere Schwester Erika das Leben. Dass sie nicht eisern Haltung bewahrte sondern in Tränen ausbrach hat ihr bei den Spaniern Sympathien eingebracht.

Nach dem zweiten Kind begann sie sich den öffentlichen sozialen Aufgaben einer künftigen Landesmutter zu widmen. Sie kümmert sich seither um Rechte von Kindern, um Bildung und um Kultur.
Es dürfte ihr gut tun, solcherart ihre ursprüngliche Ausbildung und ihre berufliche Erfahrung nutzen zu können. Gerade als ihr Schwiegervater überraschend seine Abdankung bekannt gab, präsentierte die Prinzessin ihren Preis für spanische Modegestalter. Von der zuständigen Fachpresse war sie in den vergangenen 10 Jahren zumeist für ihren Kleiderstil gelobt worden.

Die Souvenirläden in Madrid haben nicht viel Zeit, ihr Sortiment umzustellen. Die zur Hochzeit des Prinzenpaares gestalteten Stücke müssen raus – es lebe König Filipe VI. mit seiner Königin Letizia.

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Wenn der neue König Filipe VI. das Zepter übernimmt, hat er an seiner Seite eine Frau, die heiraten zu dürfen er erst einmal bei seinem Vater durchsetzen musste.
Über die künftige Königin Letizia sprechen wir mit der spanischen Publizistin Pilar Urbano. Seit zehn Jahren ist die aus dem asturischen Oviedo stammende Letizia Ortiz Rocasolano Prinzessin von Asturien. Ist sie bereit für den Schritt, als erste Bürgerliche in der spanischen Geschichte Königin zu werden?

Pilar Urbano
Letizia hat in diesen zehn Jahren wirklich eine Lehrzeit absolviert. Mit der Königin als ihrer Lehrmeisterin im Zazuela-Palast. Ihre Majestät, die Königin, hat mir gesagt: “Ich bin eigentlich nicht dazu da, sie auszubilden. Aber wenn sie lernt, das Prokokoll und die anderen Dinge, wenn sie Augen und Ohren aufsperrt und erkennt, in was für eine Familie sie hier kommt, dann wird sie das Leben beherrschen, das ihr bevorsteht.” Sie ist nach diesen zehn Jahren besser vorbereitet, als man es nach drei Jahren in einem zivilen oder militärischen Beruf sein kann.

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Vor einem Jahr gab es reichlich Aufregung um Bilder von Letizia, die am Abend allein ausging. Wird sie das auch noch als Königin machen können?

Pilar Urbano
Abends allein ausgehen, das ist nicht korrekt. Denn wenn sie in Konzerte geht, ob Rock oder moderne Musik, es ist immer besser, sie geht in Begleitung von Freunden oder mit ihrem Mann. Sie hat das wohl gemacht, weil er zuweilen der Typ Stubenhocker ist.
Sie ist keine im Harem eingeschlossene Prinzessin.
Sie kann das auch weiterhin machen, was ich gut finde.
Persönlich denke ich, dass es ihr erlaubt sein sollte, hinausgehen. Die Königin hat mir auch gesagt, sie soll unter die Leute gehen, um das Volk zu verstehen.

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Das Bild der neuen Königin Letizia unterscheidet sich sehr von jenem der Königin Sofia. Das ist bei der unterschiedlichen Herkunft unvermeidbar.
Was wird Letizia nach Ihrer Meinung wohl anders machen?

Pilar Urbano:
Praktisch alles. Es ist gut, dass sie keine geklonte Erscheinung ihrer Vorgängerin ist. Das sollte sie auch nicht sein. Es ist vielmehr nötig, dass sie auch den Stil des Prinzen verändert. Das ist hier ein Generationswechsel mit allem, was dazu gehört.
Auch der Lebensstil. Sie ist gut beraten, so wie sie bisher ihre Identität als einer Frau bewahrt, die Journalistin war und mit offenen interessierten Augen durch die Welt geht, die auch auf Menschen zugeht.

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Ist das für ihren Mann und für die Monarchie ein Vorteil oder nicht?

Pilar Urbano
Ich glaube diese Art von Volksnähe ist für die Monarchien heute überlebenswichtig. Wenn sie nur an ihren überlebten Regeln kleben, machen sie sich selber überflüssig. Der Zufluss von rotem Blut ist für die Blaublüter notwendig. Das ist eine Art Sozialisierung der Monarchie. Das ist mehr als nur etwas einimpfen, man erlebt es doch inzwischen überall in Europa.
Staatsangelegenheiten werden nicht mehr im Bett des Königs geregelt sondern von Regierungen und Parlamenten. Prinzen und Prinzessinnen dürfen ihre Lebenspartner frei wählen. Sie dürfen aus Liebe heiraten. Das ist die Voraussetzung, die heute die Stabilität einer königlichen Ehe garantiert.