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Was erwartet Spaniens neuen König Filipe VI.?

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Was erwartet Spaniens neuen König Filipe VI.?

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Es ist gerade einmal zwei Wochen her, seit der spanische Thronwechsel bekannt wurde. Wann der künftige König von seinem Vater erfahren hat, dass er nun die wichtigste Aufgabe seines Lebens übernehmen soll, darüber kann man nur spekulieren.
Der 46jährige Kronprinz sagte am 4. Juni in seiner offiziellen Reaktion auf die Ankündigung ganz feierlich:
“Gestatten Sie mir, in aller Öffentlichkeit meine Entschlossenheit zu betonen, all meine Kraft voller Hoffnung und Enthusiasmus der begeisternden Aufgabe zu widmen, weiterhin den Spaniern zu dienen und unserem geliebten Spanien.”

Während diverse Skandale um andere Familienmitglieder das Ansehen der königlichen Familie und damit der Monarchie insgesamt beschädigt haben, ist die Familie des Kronprinzen mit den beiden Töchtern zu den beliebtesten Royals der Spanier geworden. Vergessen sind die Zeiten, da man über ein Unterwäschemodel an seiner Seite die Nase rümpfte.

Dabei hatte Filipe seinem Vater erst mit Thronverzicht drohen müssen, ehe der die Ehe mit der bürgerlichen vormaligen Fernsehjournalistin erlaubte. Um so erleichterter sind Königshaus und Volk angesichts dieser glücklich erscheinenden Ehe.

Leider hat der scheidende König an seinen beiden Schwiegersöhnen keine Freude. Die Töchter heirateten politisch korrekt Söhne verschiedener Regionen. Elena, die Älteste, ist inzwischen geschieden. Und Cristina, die jüngere, musste vor Gericht erscheinen als Zeugin für die krummen Geschäfte ihres Gatten. Den hat König Juan Carlos aus dem Königsclan ausgeschlossen, auch die Infantin nimmt keine royalen Aufgaben mehr wahr.

Nach soviel Familienkummer ruhten dann erst recht alle Hoffnungen auf dem jüngsten Kind von Juan Carlos und der deutsch-stämmigen Königin Sofia.
Von Kindheit an lernte der Prinz von Asturien für den Beruf seines Lebens, den er nun mit 46 Jahren antreten wird. Er hat sich schon seit Jahren mit seiner Preisverleihung Verdienste erworben um die Förderung von Kultur, Wissenschaft, Sport und auch der internationalen Verständigung.

euronews
Auf die spanischen Monarchie kommen neue Herausforderungen zu, denen sich der künftige König Fiilipe VI. stellen muss. Um die Situation zu analysieren, sprechen wir mit dem Politikwissenschaftler Professor Fernando Vallespín in Madrid. In seiner Rede zur Abdankung sagte König Juan Carlos, er wolle mit seiner Entscheidung den Weg frei machen für eine neue Generation. Sind wirklich Veränderungen in der spanische Gesellschaft zu erwarten?

Fernando Vallespín:
Ja, ich denke, es handelt sich nicht nur um symbolische Veränderungen. Es könnte sich schon die Temperatur des politischen Lebens verändern. König Juan Carlos unterstrich zwei Aspekte:
die Stabilität und die Erneuerung. Ich denke, dass ist es, was derzeit ansteht. Es geht um eine ganze Reihe von Reformen, um einen Prozess, der bis zu einer Verfassungsänderung führen wird. Wir registrieren in Spanien eine gewisse Erschöpfung des Demokratiemodells, wie es den Beginn der Demokratie mit der Verfassung von 1978 gekennzeichnet hat. Im Moment steht unser Land vor anderen politischen Herausforderungen von großer Bedeutung. Die erste, um die schon gestritten wird, ist die territoriale Neuordnung des Staates

Mario Alfaro. euronews:
In verschiedenen Bereichen der Gesellschaft sind Forderungen nach einer Volksabstimmung über die Staatsform laut geworden, nachdem König Juan Carlos verkündet hat, zugunsten seines Sohnes Filipe abzudanken. Das alles geschieht innerhalb von zwei Wochen. Wird das die Debatte um Republik oder Monarchie anfeuern?

Fernando Vallespín:
Ich denke, die Debatte wurde erst einmal abgebrochen, nachdem das Parlament mit großer Mehrheit von mehr als 80 Prozent in beiden Kammern die Verfassung geändert hat, um diesen Thronwechsel zu Lebzeiten des abdankenden Königs möglich zu machen. Damit ist erst einmal dieser Weg verfassungsmäßig abgesichert. Es ist eine andere Sache, was in der Gesellschaft passiert, was debattiert wird. Es gibt viele Gruppen der Gesellschaft in Spanien, die nicht unbedingt Monarchisten sind. Und es gibt aktive Republikaner. Die drängen auf eine Volksabstimmung.

Mario Alfaro. euronews:
Die jüngsten Skandale in der königlichen Familie haben die Popularität der Institution Monarchie eindeutig geschwächt. Welche Schritte sollte der neue König unternehmen, um das Vertrauen der Spanier wieder zu erlangen?

Fernando Vallespín:
Ich glaube, dass in Spanien die Wirtschaftskrise das politische Vertrauen am stärksten erschüttert hat. Und zwar nicht nur gegenüber den aktiven Politikern sondern auch gegenüber den Institutionen.
Und das trifft dann auch direkt die Krone. Dabei geht es um die Forderung nach mehr Transparenz. Die Krone sollte näher an den Bedürfnissen der Menschen sein und sich auch einer Kontrolle ihrer Finanzen unterwerfen. so wie es für andere Institutionen des Staates gilt. Ich spreche von Kontrolle durch das gewählte Parlament.

Mario Alfaro. euronews:
Was könnte, was sollte der neue Monarch für eine Reform der Verfassung in Bezug auf die territorialen Probleme tun?

Fernando Vallespín:
Er könnte helfen, die Verhandlungen der verschiedenen politischen Kräfte zu erleichtern.
Er könnte in gewissem Sinne eine
moderierende Rolle spielen in einer Zeit, in der wir das mehr denn je brauchen. Er könnte eine Einigung leichter machen.