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Was können - und wollen - die USA im Irak?

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Was können - und wollen - die USA im Irak?

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Seit einigen Tagen schon haben die USA Kampfschiffe und Flugzeuge im Persischen Golf, seit Montag gehört dazu auch ein Schiff mit gut fünfhundert Soldaten.

Was aber die USA damit angesichts der Lage im Irak anfangen können und wollen, ist unklar. Irak hat um Kampf gegen die aufständischen Islamisten offiziell um Unterstützung aus der Luft gebeten – würde aber sicher auch sonst
jede Hilfe nehmen, die es kriegen kann.

Die USA zeigen sich aber zurückhaltend: Bisher wurden nur 275 zusätzliche Soldaten ins Land geschickt, vor allem jedoch zum Schutz der Botschaft

Präsident Barack Obama hat ebenso wenig Lust auf ein militärisches Abenteuer wie beide Seiten im Kongress, mit deren Anführern er sich gestern besprach.

Die Erinnerung an den jahrelangen Irakkrieg ist immer noch frisch; die letzten US-Truppen zogen erst vor zweieinhalb Jahren ab. Tausende Amerikaner ließen im Irak ihr Leben.

Der Anführer der Republikanischen Partei im Abgeordnetenhaus will von Obama eine Strategie fürs große Ganze. Es könne nicht nur um einen einzelnen Schritt gehen, sagt John Boehner – nach den Opfern, die die Amerikaner für Iraks Freiheit gebracht hätten.

Der Führer von Obamas eigener Demokratischer Partei im Senat, Harry Reid, spricht von einem Bürgerkrieg, in dem amerikanische Soldaten nichts zu tun hätten. Ein Einsatz sei nicht im Interesse der amerikanischen Sicherheit.

Die einflussreiche demokratische Senatorin Dianne Feinstein sagt, erst einmal müsse Iraks derzeitige Regierung weg, ehe man an eine Aussöhnung der dortigen Bevölkerungsgruppen gehen könne.

Der höchste General der USA, Martin Dempsey, nennt dagegen den Kampf gegen die Aufständischen durchaus im Interesse der nationalen Sicherheit. Den Islamisten der in Irak und Syrien kämpfenden “Isis”-Gruppe müsse man überall entgegentreten, wo man sie finde.

Man behalte sich das Recht vor, bei Bedarf die eigenen Sicherheitsinteressen zu verteidigen, sagt ein Sprecher des Präsidenten. Ein direkter Militäreinsatz würde aber Iraks Probleme nicht lösen – jedenfalls nicht als einzige Maßnahme.

Will heißen: Auch Irak selbst müsste dazu einiges tun. Stattdessen beschuldigt die Regierung nun Saudiarabien, es unterstütze die Islamisten, die wie die Saudis sunnitische Moslems sind.

Saudiarabien bestreitet aber jede Einmischung und macht – wie westliche Länder – Iraks Regierung für die Lage mitverantwortlich. Der saudische Außenminister Saud al-Faisal sagte, Regierungen müssten auf berechtigte Forderungen ihrer Bürger eingehen.

Regierungschef Nuri al-Maliki stützt sich nur auf seine eigenen schiitischen Kreise; bei den Sunniten hat er sich über Jahre gründlich verhasst gemacht. Der rasche Vormarsch der Aufständischen im sunnitisch geprägten Landesnorden hat auch damit zu tun.

Neben Saudiarabien hat es sich Irak auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verdorben, die nun sogar ihren Botschafter abziehen.

Die Emirate, eng mit den Saudis verbündet, kritisieren ebenfalls die Politik der irakischen Regierung gegenüber anderen Glaubensgruppen und rufen zu einer irakischen Regierung der nationalen Einheit auf.