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Iranisches Filmfestival in Paris will Klischees aufbrechen

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Iranisches Filmfestival in Paris will Klischees aufbrechen

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Das fünfte Pariser Arrondissement, Heimstatt vieler unabhängiger Theater: Gerade ist das Kino “Le Nouvel Odéon” Gastgeber der 2. Auflage des "Festival Cinéma(s) d’Iran" gewesen. Gezeigt wurden Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Kurzfilme iranischer Filmemacher. Der Festivalleiter Bamchade Pourvali erklärt: “Das Festival heißt ‘Cinéma(s) d’Iran’ mit einem S in Klammern, weil es von Anfang an unsere Idee war, mit dieser Präsentation des unabhängigen iranischen Kinos sowohl die im Land produzierten Filme bekannt zu machen, als auch diejenigen, die in den vergangenen zehn Jahren im Ausland produziert wurden. Sie werden ebenfalls auf dem Festival vorgestellt. Unser Ziel war es, einen Dialog zwischen den beiden zu schaffen.”

Das Festival hatte einige Regisseure der jungen Generation iranischer Filmemacher eingeladen, ihre Werke persönlich dem Pariser Publikum vorzustellen, so der Fall beim Film “Kami’s Party”.

Der erste Film von Ali Ahmadzadeh ist ein Roadmovie, der iranische Jugendliche beim “Party-Hoppen” porträtiert. Junge Mädchen und Slang-Sprache, das geht, weil der Film bis heute keine Drehgenehmigung erhalten hat. Der Regisseur spricht über das, was man als iranisches Underground-Kino bezeichnen könnte: “Für mich wurde das ‘Underground-Kino’ geboren, als Regisseure anfingen zu drehen, ohne auf die Genehmigung zu warten oder als einige von uns umsonst darauf hofften. Wenn das Ministerium für Kultur und islamische Führung uns nicht erlaubt, die eingereichten Skripte zu drehen, werden diese Werke ‘Underground-Filme’.”

Der Film “The Shell” von Mostafa Aleahmad erzählt die Geschichte eines zu lebenslang Verurteilten, der nach dem Beweis seiner Unschuld nach 14 Jahren begnadigt wird. 2009 gedreht, hatte es der Film nie auf Irans Leinwände geschafft. Auf dem Festival wird er in der Sektion “Salon der Zurückgewiesenen” gezeigt. Der Festivalleiter erklärt: “Der Salon der Zurückgewiesenen bezieht sich auf die impressionistischen Maler, die große Meister wurden, aber denen der Staat immer verweigert hat, ihre Werke in offiziellen Ausstellungen zu zeigen. Das ist der Fall bei vielen iranischen Filmemachern. Wir dachten uns, das Festival ist eine gute Gelegenheit, diese Werke hier zu zeigen, die einerseits kinematografisch gesehen hochinteressant sind, und uns andererseits durch die Tatsache, dass sie verboten wurden, einen Blick auf all die Paradoxien erlauben, die die iranische Kulturpolitik beherrschen.”

Ein weiterer Film aus dieser Sektion ist “Rainy Seasons” von Majid Barzegar. Er erzählt die Geschichte eines Jungen, der einsam zu Hause sitzt, während seine Eltern mit ihrer Scheidung beschäftigt sind. Nach und nach stellt er sich seinen Problemen und trifft wichtige Entscheidungen. Der Regisseur beschreibt die Problematik beim Filmemachen: “Um egal was für eine Arbeit zu schaffen, sind wir verpflichtet, die Erlaubnis des Ministeriums für Kultur und islamische Führung einzuholen, die Produktionsgenehmigung. Sobald der Film gedreht wurde, müssen wir ihn einer anderen Gruppe des gleichen Ministeriums vorführen. Sie sehen sich den Film an und es ist möglich, dass sie den gleichen Film verbieten, für den zuvor eine Produktionserlaubnis gewährt wurde.”

Euronews-Reporter Arash Naimian in Paris: “Das Festival versammelt viele unterschiedliche Filme, denen aufgrund der komplexen Gesetzmäßigkeiten der iranischen Filmindustrie kein großer Leinwanderfolg beschert ist. Ein Festival wie dieses kann das Klischee des “iranischen Films” in den Köpfen des internationalen Publikums aufbrechen und einen realistischen Blick auf das vielfältige aktuelle Kino dieses Landes gewähren.”