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Ägypten: Fast 200 Islamisten zum Tode verurteilt

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Ägypten: Fast 200 Islamisten zum Tode verurteilt

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Ein Gericht in der ägyptischen Stadt Minja hat im größten Massenprozess der Geschichte des Landes mindestens 183 Todesurteile gegen Islamisten bestätigt. Unter den Verurteilten ist auch das Oberhaupt der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft, Mohammed Badie. Ihm droht nun der Tod durch den Strang.

Die Todesurteile müssen noch von Ägyptens Mufti – dem obersten islamischen Rechtsgelehrten – bestätigt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte den festgenommenen Islamisten vorgeworfen, an Unruhen im August 2013 teilgenommen zu haben, bei denen zwei Polizisten getötet worden waren.

Gegen fast 500 Angeklagte wurde das Verfahren eingestellt. Ein Mann freute sich darüber, dass sein Sohn für unschuldig befunden wurde: “Diese Entscheidung ist richtig und fair. Es lebe al-Sisi.”

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die Urteile scharf. Ägyptens Justiz entscheide zunehmend politisch und willkürlich. Ein Mann klagte: “Dieses Urteil ist unfair und sogar Gott weiß, dass es unfair ist. Ich schwöre, es ist nicht richtig.” Drastische Prozesse wie dieser schüren in Ägypten die Sorge, dass der neue Präsident Abdel al-Fattah al-Sisi autokratisch regieren wird.

Unser Korrespondent Mohammed Shaikhibrahim erklärte: “Gemischte Gefühle bei den Familien hier, manche begrüßen die Urteile, auf die sie lange gewartet haben, als fair. Andere sind traurig und wütend wegen der Todesurteile, die sie für politisch motiviert halten.”