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Abhörskandal: Polens Außenminister kritisiert Bündnis mit USA

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Abhörskandal: Polens Außenminister kritisiert Bündnis mit USA

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Erst vor einer Woche sorgte die polnische Zeitschrift “Wprost” für Aufregung. Sie veröffentlichte ein heimlich aufgezeichnetes Gespräch, in dem der Chef der polnischen Notenbank vom Innenminister forderte, Finanzminister Jacek Rostowski zu entlassen – was auch passierte. Jetzt gibt es neue heimliche Aufnahmen. Außenminister Radoslaw Sikorski soll sich da gegenüber Rostowksi kritisch über das polnisch-amerikanische Verhältnis äußern. Sikorski wittert eine Verschwörung. Er sagte: “Die Regierung wird von einer organisierten kriminellen Gruppe angegriffen. Wir wissen noch nicht, wer dahinter steckt, aber wir ermitteln.”

Das polnisch-amerikanische Bündnis sei wertlos, es sei sogar schädlich, da es Polen das falsche Gefühl von Sicherheit gebe, so Sikorski laut dem Magazin. Weiter soll der Minister gesagt haben: “Wir bekommen Probleme mit Deutschland, mit Russland, und sind der Meinung, dass alles super ist, weil wir den Amerikanern einen geblasen haben. Das ist absolut naiv.” Regierungschef Donald Tusk nahm seinen Minister in Schutz. “Es wird keine Konsequenzen für Minister geben, deren einziges Vergehen es war, sich in einem vertraulichen Gespräch vulgär ausgedrückt zu haben. Gäbe es in solchen Fällen Konsequenzen, wäre das politische Leben nicht nur in Polen, sondern auf der ganzen Welt, wohl am Ende.”

Die Abgehörten hätten keine Gesetze verletzt, so der offizielle Standpunkt der Regierung Tusk. Die veröffentlichten Ausschnitte seien ohnehin aus dem Kontext gerissen. Nicht nur Konsequenzen für die Minister, auch den von der Opposition geforderten eigenen Rücktritt lehnte Tusk ab.