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Als Häuser den gelben Stern trugen

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Als Häuser den gelben Stern trugen

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Vor 70 Jahren schrieb Budapest das wohl schwärzeste Kapitel seiner Geschichte. Ganz normale Wohnhäuser wurden zu Gefängnissen für einen Teil der Bevölkerung. Sogenannte Judenhäuser, gekennzeichnet mit einem gelben Stern, die Vorstufe des Ghettos.

Am 21. Juni 1944 zwang die Budapester Stadtverwaltung Juden, in die speziell zugewiesenen Häuser zu ziehen. Rund 220 000 Menschen in qualvoller Enge. Ein paar Monate später entstand das offizielle Budapester Ghetto. Dann kam die Deportation. Die Hälfte der Budapester Juden kehrte nie zurück.

Tamás Márton lebt noch heute in einem der sogenannten “Judenhäuser”, ein Ort schrecklicher Erinnerungen. Seine Mutter starb zwei Tage vor der Befreiung im Konzentrationslager.

Tamás Márton: “Wir wollten meiner Großmutter nicht sagen, dass ihre Tochter gestorben war. Und dann eines Tages, 1954, nein es war im Frühjahr 1946, sagte sie zu meinem Vater: Heirate wieder! Du kannst nicht mit einer Toten leben!”

Von den rund 2000 Häusern, die einst den gelben Stern trugen, stehen noch etwa 1600. Nur die wenigsten kennen ihre traurige Geschichte. Deswegen erinnerten zum 70. Jahrestag ungarische Bürgerrechtsorganisationen mit Gedenkveranstaltungen und Begegnungen vor früheren Stern-Häusern an die Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung.

“Dieses tragische, 70 Jahre alte Kapitel in der Geschichte der Stadt kennen wir so gut wie gar nicht”, erklärt István Rév, einer der Organisatoren. “Es wurde nie über die Sternhäuser gesprochen. Dieser Gedenktag kann dabei helfen, die Stadt besser kennenzulernen. Denn in einer Stadt, die man nicht kennt, ist man nicht wirklich zu Hause.”

Bei den Treffen in früheren Stern-Häusern, kamen auch Holocaust-Überlebende zu Wort. Viele von ihnen sprachen erstmals öffentlich über ihre Erlebnisse. Gegen das Vergessen.

insgesamt 600 000 ungarische Juden fielen dem Holocaust zum Opfer, etwa 200 000 überlebten.