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Bußgeld für zuviel versprochene Alstom-Jobs: "Dies ist ein Präzedenzfall"

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Bußgeld für zuviel versprochene Alstom-Jobs: "Dies ist ein Präzedenzfall"

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Mitarbeiter von General-Electric (GE) begeistert, die von Alstom eher skeptisch, Siemens lauert: Nach wochenlangem Bieterkampf hat Alstom am Wochenende die milliardenschwere Offerte des US-Rivalen General Electric zum Kauf der Energiesparte angenommen.

Siemens und Mitsubishi gingen mit ihrem Angebot leer aus. Siemens macht den Widerstand von Alstom-Chef Patrick Kron für die Niederlage verantwortlich. Der ist sicher: Es war eine gute Wahl:

“Es ist ein gutes Geschäft für Alstom. Produktion und Beschäftigung werden konsolidiert. Auch für GE ist das ein guter Deal, deren industrielle Logik wird weiterverfolgt und ich meine, die Bedenken der Regierung werden auch berücksichtigt.”

Dabei ging es um deren Herzensthema Arbeitsplätze. General Electric hat 1.000 neue Jobs zugesagt.

Ein Mitarbeiter von General Electric in Frankreich:

“Das ist eine gute Sache. Aus meiner Sicht ergänzen sich GE und unsere Nachbarn von Alstom. Der Deal stärkt die Region Belfort”

Ein Alstom-Mitarbeiter ist eher skeptisch:

“Sie haben 1.000 Arbeitsplätze zugesagt. Heißt das – unter dem Strich 1.000 mehr? Was wird mit Joint Ventures? Weiß keiner zu sagen. Wir stehen, offen gesagt, erst am Anfang der Geschichte.

In der Region Belfort in Ostfrankreich, etwa 50 Kilometer südwestlich von Mülhausen, hatte Alstom vor 10 Jahren dreimal so viele Mitarbeiter im Kraftwerksgeschäft; heute weniger als 6.000.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg:

“General Electric hat uns angeboten, in drei Jahren tausend Arbeitsplätze zu schaffen. Wir haben ihnen gesagt: Versprechungen binden nur die, die daran glauben. Deshalb sind wir für finanzielle Sanktionen und zwar 50.000 Euro pro Job, der nicht entsteht. Dies ist ein Präzedenzfall.”

Macht im schlimmsten Fall 50 Millionen Euro.

Statt der Anfangs gebotenen 12,7 Milliarden Euro sind für General Electric nun aber nur noch 7,3 Milliarden Euro cash im Feuer.

Die Amerikaner übernehmen dafür statt des gesamten Energiegeschäfts vor allem die Gasturbinen-Sparte. Für den Rest gründen sie Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom: bei der Technik für Stromnetze, bei Wind- und Wasserkraft sowie bei der Ausrüstung für Atomkraftwerke einschließlich Dampfturbinen. General Electric hat der französischen Regierung in der sicherheitspolitisch heiklen Nukleartechnik ein Vetorecht eingeräumt und gibt seine Schienenverkehr-Signaltechnik an Alstom ab.

Gleichzeitig will der französische Staat für bis zu zwei Milliarden Euro 20 Prozent des Kapitals von Alstom erwerben. Mitte 2004 hatte er mit einer ähnlichen Summe das hoch verschuldete Unternehmen gerettet und war 2006 wieder ausgestiegen.

Und Siemens? Wartet auf den Spruch der EU-Kartellwächter. Siemens-Chef Joe Kaeser will genau beobachten, wie es in Frankreich weitergeht. “Wir sind weiter gesprächsbereit”. Sollten die Kartellwächter GE und Alstom zur Abgabe von Unternehmensteilen zwingen, könnte sich das Übernahmekarussel weiterdrehen.

su mit Reuters