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Warum sollen in Ägypten Journalisten ins Gefängnis?

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Warum sollen in Ägypten Journalisten ins Gefängnis?

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“Journalismus ist kein Verbrechen” steht auf den Plakaten, mit denen australische Journalisten ihre in Kairo verhafteten Kollegen unterstützen. Einer der zu sieben Jahren Haft verurteilten Al-Dschasira-Reporter ist Australier. Sein australischer Kollege Andrew Thomas nennt es “einen Angriff auf den Journalismus insgesamt”, was da in Kairo geschieht. Seit Dezember sitzen die Journalisten des in Katar ansässigen arabischen Nachrichtensenders in Untersuchungshaft.
Das Beweismaterial bewerten Prozessbeobachter als “weit hergeholt”. Da wurden Ausschnitte aus TV-Sendungen von BBC oder Sky News Arabia vorgespielt, die nichts mit der Arbeit der Angeklagten zu tun haben.

Zu den Angeklagten gehört Abdullah al Shamy.
Nach 130 Tagen Hungerstreik wurde er “aus medizinischen Gründen” aus der Haft entlassen.
Er sagt: “Ich habe ganz einfach meinen Job als Reporter gemacht und obwohl die Behörden das wussten, haben sie mich 266 Tage lang eingesperrt.

Am Sitz des Senders Al Dschasira in Doha im Emirat Katar ist die Sorge um die verfolgten Kollegen groß.
Bernard Smith vom englischen Dienst verlangt ihre Freilassung. Er betont: “Sie haben in Ägypten nur ihren Job gemacht, die Wahrheit zu berichten.”
Aber genau das stellt in ägyptische Anklage infrage.
Bekannt ist, dass das Herrscherhaus von Katar mit der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft in Ägypten sympathisiert. Und darauf beruht das Mißtrauen gegenüber dem Nachrichtensender, der dem Emir von Katar nahesteht. Dass aus der Schatulle des Emirs Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi, der aus der Muslimbruderschaft kommt, unterstützt wurden, ist kein Geheimnis. Den Emir können die Machthaber in Kairo nicht belangen. Wohl aber die Journalisten seines in der arabischen Welt viel gesehenen Nachrichtensenders.

Panzer gegen Protestierende in Kairo auf der einen Seite – auf der anderen Seite insgesamt mehr als 180 Jahre Gefängnis für Unterstützer der Muslimbruderschaft. Dieses Urteil wurde Ende März gesprochen. In diesen Zusammenhang fällt auch das Urteil gegen die Journalisten.