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Sarajevo - Stolz und Tränen

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Sarajevo - Stolz und Tränen

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Herzlich willkommen zu einer Sondersendung zum hundertes Jahrestag des Ausbruches des I. Weltkrieges. Wir beschäftigen uns heute mit dem Attentat von Sarajevo, das zum Anlaß für den Krieg wurde. Es geschah genau hier auf dieser Brücke vor hundert Jahren, hundert Jahre, die Sarajevo prägten.

1878 hatte Österreich-Ungarn Bosnien-Herzegowina okkupiert. Am 28. Juni 1914 besuchte der östereichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gattin Sarajevo. Junge serbische Nationalististen wollten ihn als Symbol der Besetzung töten. Der Gymnasiast Gavrilo Pricip erschoß den Erzherzog und dessen Gattin. Das Habsburger Reich erklärte Serbien den Krieg. So begann der I.Weltkrieg

Vor 30 Jahren machte Sarajevo erneut international Schlagzeilen. Die Olympischen Winterspiele von Februar 1984 waren ein glorreicher Moment für das damals noch existierende Jugoslawien. Heute sind 70% der Olympiaanlagen zerstört. Wie die Seilbahn, mit der die Ausflügler am Wochenende in die Berge fuhren. Der Verantwortliche des örtlichen Olympischen Komitees erinnert sich voller Nostalgie:” Die Leute freuten sich, alles war rund um die Uhr offen. Die Leute waren stolz darauf, teil der olympischen Bewegung zu sein. Das war für ein sozialistisches Land eine große Sache. Wir profitieren bis heute von Olympia 1984, weil viele Touristen kommen.”

Wer konnte sich schon vorstellen, dass acht Jahre später in Sarajevo Krieg sein sollte! Von 1992 bis ´94 erlebte die bosnische Hauptstadt die schlimmste Belagerung in der jüngeren Geschichte .
Der General, der Sarajevo verteidigen sollte, erinnert sich: “Wir hatten keine schwere Artillerie, keine Hilfe von außen, keine Munition, logistische Probleme. Die serbische Armee beschoß Sarajevo und wir hatten Angst.”

Wir gehen auf den Markt, auf dem bei einem Bombenangriff im Februar 1994 68 Menschen starben. Auf diesen Mauern stehen ihre Namen.
Esad liest jeden Tag den Namen seiner Schwester.
Er sagt: “Um mich herum lagen die Toten, nur ich war entkommen. Und zwar, weil ich mich nach einem Kohlkopf gebückt hatte. Als ich mich wieder aufrichtete, lagen sie alle am Boden”.

Seit den ´90er Jahren sind die Hügel rund um die Stadt von Friedhöfen übersät. Sarajevo hat mehr als 10.000 Tote zu beklagen, jene Stadt, in der ein Krieg auf den anderen folgte.