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Monty Python sind wieder da: Publikum happy, Presse weniger

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Monty Python sind wieder da: Publikum happy, Presse weniger

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So respektlos kann nur Monty Python eine Show beginnen. Es herrscht noch gespannte Stille beim Londoner Publikum, da fliegt über die Leinwand der Kopf des 1989 gestorbenen Mitglieds Graham Chapman und prallt wie eine Flipper-Kugel an Planeten ab – ganz getreu dem Titel der Show: “One Down Five to Go” (in etwa: Einer ist tot, fehlen noch fünf). Als die fünf übrig gebliebenen Komiker auf die Bühne kommen, jubelt die Arena. Das Eis zu brechen haben die Engländer nicht nötig, auch nicht nach 34 Jahren ohne gemeinsame abendfüllende Auftritte.

Gerade Kult-Bands haben auf der Bühne oft ein Problem: Die Fans warten auf die alten Hits, die Musiker wollen Neues ausprobieren. Monty Python und ihr Publikum sind sich in dieser Hinsicht vollkommen einig. Ob toter Papagei oder Käsekauf, Holzfäller-Lied oder die Speisekarte voller “Spam”, sie erfüllen dem Publikum ungefragt jeden Wunsch.

“Es wäre merkwürdig, in diesem Alter zu versuchen, bessere Dinge als unser Bestes zu schreiben”, hatte Eric Idle vor Beginn der Live-Shows in der Londoner O2-Arena gesagt. Und so wird der erste von zehn Abenden am Dienstag zu einer ausgedehnten Bühnenversion der TV-Sendung “Flying Circus”, die Monty Python ab 1969 zu Stars gemacht hat: Scheinbar beliebig reihen sich Sketche aneinander, unterbrochen von ebenso ästhetischen wie unsinnigen Animationen.

Zwar ist der “Silly Walks Song” neu, zwar gab es in den 70ern keine Witze über vibrierende Handys, zwar sind die Schritte der Tanzgruppe eigens für diese Bühne erdacht worden. Die Physiker Stephen Hawking und Brian Cox sorgen per Videoeinspielung genauso für Überraschungsmomente wie Komiker Stephen Fry, der sogar einen Auftritt hat. Doch zu viel Ungewohntes mutet man den Anhängern nicht zu, die auf den Sitzen mitsprechen, -klatschen und -singen. “Deswegen sind wir ja hier”, sagt Zuschauerin Sue aus Leeds, 68 Jahre alt. “Um in Erinnerungen zu schwelgen und uns wieder jung zu fühlen.”

John Cleese, Eric Idle, Terry Jones, Terry Gilliam und Michael Palin können sich an diesem Abend sowieso alles erlauben. Cleese vergisst beim Aufzählen von Käsesorten erst den Text und kann sich dann das Lachen nicht verkneifen? Das Publikum johlt. Die Herren zwischen 71 und 74 gönnen sich so viele Verschnaufpausen, dass sie netto recht wenig Zeit auf der Bühne verbringen. Egal, über die alten Video-Clips der fußballspielenden Philosophen und die alberne Olympiade (genau, der Wettlauf der Menschen ohne Richtungssinn) wird genauso gelacht.

Die britische Presse ist am Mittwoch weniger zufrieden. “Sind wir etwa für viel Geld in die Arena gelockt worden, um Material zu sehen, das man auf der DVD “Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft” findet?”, fragt der Independent. “Werden diese zweieinhalb Stunden irgendwelche Ungläubigen zu Python bekehren? Werden sie nicht”, krittelt die “Times”. Und der Guardian stellt fest, Cleese habe einen Bauch bekommen.

Den Fans ist das schnuppe. “Sie spielen, was du sehen willst, und singen, was du hören willst”, urteilt abgeklärt Thomas, 19, der extra aus der Normandie angereist ist. Im Publikum sind zwar viele ergraute Häupter und der ein oder andere Gehstock zu entdecken, aber mindestens genau so viele dürften in Pythons besten Jahren gerade das Laufen gelernt haben oder noch gar nicht auf der Welt gewesen sein.

Natürlich sind die Komiker in die Jahre gekommen, aber die ordentliche Portion Nostalgie macht das allemal wett, jedenfalls für die Liebhaber. Am Ende stehen fünf verschwitzte, etwas kurzatmige Männer auf der Bühne und Singen “Always Look On The Bright Side of Life”. Und verabschieden sich mit einem gepflegten “Verpisst euch”. Ganz wie in alten Tagen.

Die letzte der zehn Shows läuft am 20. Juli. Sie wird weltweit im Fernsehen übertragen.

(Text: dpa/euronews)