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Was bringt den irakischen Kurden eine Unabhängigkeit?

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Was bringt den irakischen Kurden eine Unabhängigkeit?

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Die Kurden im Irak bereiten ihr Unabhängigkeitsreferendum vor. Aber Unabhängigkeit bringt immer auch viele Probleme mit sich, zuweilen sind die größer als die Vorteile. Die internationalen Medien zeigen im Moment vor allem Befürworter – ganz klar, die verkünden ihre Meinung am lautetsten. Ein Demonstrant ruft: “Wir, das kurdische Volk, verlangen die Errichtung eines unabhängigen kurdischen Staates, dafür sind wir bereit uns zu opfern.” Da stellt sich schon die Frage: Wer gehört zu diesem “kurdischen Volk”? Nur die Kurden auf heute irakischem Boden? Oder auch jene, die innerhalb der Grenzen von Syrien, Iran und der Türkei leben?

Regionalratspräsident der Kurden im Irak ist Massud Barsani. Er hat zur Zeit nicht nur die Verantwortung für seine fünf Millionen Einwohner. Praktisch über Nacht sind noch einmal soviele Menschen hinzugekommen, die vor den ISIL-Terroristen aus anderen Gebieten des Irak geflohen sind. Vor seinem Regionalparlament sagte er:”… durch Selbstbestimmung werden wir bessere politische Waffen in die Hand bekommen… “ Er sagte aber nicht, wie es mit der Wirtschaft wird. Lebensfähig wäre dieser Kurdenstaat von der Größe Bayerns nur, wenn er über die gesamten Erdölvorkommen von Kirkuk verfügen könnte. Über die verfügt aber die irakische Zentralregierung in Bagdad.

Was die militärischen Waffen anbelangt, da sind die Kurden allen anderen Regionen und auch der Zentralregierung überlegen. Ihre “Peschmerga” waren nie Teil der irakischen Armee. Und als die Terroristen angriffen, haben sie als einzige gekämpft, auch ihre Frauenbatallione. Diese bewaffneten Frauen verkünden stolz, sie seien gut trainiert und würden in jedem Fall den ISIL-Kämpfern widerstehen. Das ist im Augenblick überlebenswichtig. Aber gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Probleme. Weil die größte Raffenerie im Kurdengebiet nicht arbeitet, herrscht Benzinmangel.

Und im Parlament in Bagdad streitet jeder mit jedem. Ein unabhängiger Kurdenstaat hätten Grenzen mit Irak, Iran, Syrien und der Türkei – also an jeder Grenze andere Interessen.