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Wie man Tränenbilder weint

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Wie man Tränenbilder weint

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Die Maltechnik des Argentiniers Leandro Granato ist nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack. Bunte Tränen weint der Mann aus Buenos Aires und lässt die Farbe auf die Leinwand tropfen. In seinem Atelier zeigt der Künstler, wie man Tränenbilder macht. Die ungewöhnliche Malweise war anfangs eine Form von Therapie.

Leandro Granato: “Als mein Großvater starb, sollte ich die Begräbnisfeier organisieren, war aber nicht dazu imstande, meinen Schmerz auszudrücken, ich konnte nicht weinen. Ich machte bereits seit ein paar Jahren Body Painting und fragte mich, ob es möglich, wäre, mit meinen Tränen zu malen. Ich fing an, damit zu experimentieren und nach gut zwei Jahren entstand mein erstes Bild.”

Der Malstil verlangt eine gewisse Überwindung und Körperbeherrschung. Denn die wässrige Farbmischung gelangt durch Einatmen in den Tränenkanal und tritt entweder spontan oder nach leichtem Druck durch die Tränendrüsen wieder aus.

Leandro Granato: “Meine Technik erregt Interesse, löst aber auch ein Gefühl der Ablehnung aus. Sie sorgt für Begeisterung und Abscheu. Das macht eine Ausstellung doch erst spannend, weil sie die Gefühle der Menschen anspricht.”

Viele reagieren in der Tat geschockt auf die extreme Tränenkunst. Wie die Jury einer deutschen Fernsehcastingshow, an der Granato im vergangenen Herbst teilnahm und nicht in die innere Auswahl. Der Künstler weint der Sendung keine Träne nach und wenn dann Tintenblau oder Grasgrün.