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Palästinensische Vorwürfe nach Mord an Jugendlichem

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Palästinensische Vorwürfe nach Mord an Jugendlichem

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Trauer um den getöteten palästinensischen Jugendlichen in Jerusalem: Am Tag nach der Beisetzung kommen Verwandte und Bekannte, um ihr Beileid zu bekunden.

Um Furcht geht es in ihren Gesprächen, und um Hass auf die Israelis. “Wir fühlen uns nicht mehr sicher”, sagt eine Frau hier; “aber wir werden nicht stillhalten. Wenn wir Mütter könnten, würden wir die mit bloßen Händen vernichten. Wir wollen die nicht in unseren Wohngegenden.”

Wahrscheinlich wurde der Sechzehnjährige bei lebendigem Leibe verbrannt. Das teilten die palästinensischen Behörden nach der Obduktion mit.

Demnach waren Rauchspuren in Luftröhre und Lunge; der Junge habe also Rauch eingeatmet, als er noch am Leben war. Zuvor habe er einen starken Schlag auf den Kopf erhalten.

Bewohner des Stadtteils Schuafat, aus dem der Junge stammte, machen der israelischen Polizei Vorwürfe, die hier in Ostjerusalem zuständig ist.

So führen sie die vielen Überwachungskameras in der Straße an – die jetzt aber alle vom Geheimdienst abmontiert worden seien: Aus ihrer Sicht nicht zur Aufklärung des Falls, sondern um Spuren zu verwischen.

Außerdem, so sagen sie, habe das Funktelefon des verschleppten Jugendlichen noch eine halbe Stunde lang funktioniert. Die Polizei hätte es in dieser Zeit durchaus noch orten können.

Sie selbst hätten die Polizei benachrichtigt, dass in der Gegend immer wieder ein verdächtiger Wagen unterwegs sei. Passiert sei nichts.

“Die israelischen Sicherheitskräfte haben es mit Festnahmen nicht eilig”, meint ein entfernter Verwandter des Jungen. “Dabei kennen die sowohl die Täter als auch das Auto, das bei der Entführung benutzt wurde.”

Das arabische Ostjerusalem gilt den Palästinensern als Hauptstadt ihres erträumten eigenen Staats.

Israel hält es aber seit 1967 besetzt, was international als Verstoß gegen Völkerrecht gilt – ebenso wie die Ansiedlung von Israelis zu Zehntausenden auf dem besetzten Land.

“Die Palästinenser haben das Recht, sich auf ihrem eigenen Land zu verteidigen”, sagt ein Mann. “Wir in Jerusalem haben dazu aber nur Steine, keine Waffen oder sonstwas.”

Nach der Beisetzung des Jugendlichen war es zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und Polizei gekommen.

Die Spuren sind überall, auch an den Haltestellen der modernen Straßenbahn, die seit drei Jahren durch das Viertel führt, auf dem Weg von der Stadtmitte in die jüdischen Siedlungen im Norden.

An sich ist die Bahn auch für die Araber hier gedacht: Ihnen gilt sie aber als Symbol der verhassten Besatzung, von Nutzen nur für die jüdischen Siedler.

Beide Haltestellen in Schuafat sind nun verwüstet; Polizei schützt die weiter gelegene Haltestelle im palästinensischen Viertel Bet Hanina und die jüdischen Siedlungen dahinter.