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Fassaden unterm Skalpell

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Fassaden unterm Skalpell

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In luftigen Höhen entfaltet Alexandre Farto alias Vhils seine kreative Kraft. Er bearbeitet Häuserfassaden, fräst, reißt, bohrt und sprengt großformatige Bilder in die Wand.

Vor über zehn Jahren kam der Street-Art-Künstler auf die Schnipselgraffitis. Das Lissaboner Kulturzentrum Museu da Electricidade widmet ihm eine Werkschau unter dem passenden Titel “Dissecção (Dissektion)”.

Vhils: “Durch Graffitis erlernte ich die Straßenkunst, entwickelte ein gutes Auge für den öffentlichen Raum. Dieser Hintergrund war gewissermaßen meine Schule, ich habe viel dabei gelernt, ich weiß das würdigen. So begann ich, auf die Straße zu achten, das war keine Flucht, sondern sie zeigte mir den Weg.”

Vhils bearbeitet alle erdenklichen Oberflächen mit unterschiedlichen Techniken und legt dabei Schicht für Schicht neu Winkel und Perspektiven frei.

Er versteht seine Kunst als eine Form von urbaner Archäologie. Er zerstört, um zu kreieren, gibt ausgedienter Materie einen neuen Sinn.

Vhils: “Die Idee hinter dieser Ausstellung ist, den Einfluss der Städte auf das Leben der Menschen, die dort wohnen, deutlich zu machen. Vor allem die vereinheitlichende Wirkung, die diese Organismen, wir ich Städte nenne, auf die Gesellschaft als Ganzes haben. Ich möchte zum Nachdenken anregen darüber, was wir gewonnen und verloren haben im Namen des vermeintlichen gemeinsamen Wohls.”

2012 arbeitete der Künstler in Rio de Janeiro auf den Fassaden von Abrisshäusern für die Fußball-WM.

Die Lissabonner Werkschau geht bis Anfang Oktober.