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Pistorius-Prozess: Ein vertrauliches Video und seine Folgen

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Pistorius-Prozess: Ein vertrauliches Video und seine Folgen

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Was geschah am 14. Februar 2013? Fest steht, dass in jener Nacht in einer Villa in Pretoria das Fotomodel Reeva Steenkamp getötet wurde, erschossen von ihrem Lebensgefährten Oscar Pistorius. Der ehemalige Sprinter, der bei den Paralympischen Sommerspielen 2004, 2008 und 2012 insgesamt sechs Goldmedaillen gewann, behauptet, er habe seine Freundin aus Versehen erschossen, weil er vermutete, dass sich ein Einbrecher in der Toilette seines Hauses versteckt hatte. Die Staatsanwaltschaft hingegen wirft dem 27-Jährigen vor, Steenkamp nach einem Streit erschossen zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 25 Jahre Haft.

Seit März dieses Jahres steht der Südafrikaner in Pretoria vor Gericht, ein von einem australischen Fernsehsender ausgestrahltes Video sorgt nun für Wirbel. Das Video zeigt eine Rekonstruktion des Tathergangs aus Sicht des Beschuldigten. Pistorius ist dabei ohne seine Beinprothesen zu sehen, seine Hand ist zu einer Schusswaffe geformt, er ruft um Hilfe, seine Schwester Aimee gibt das Opfer. Doch eigentlich sind die Aufnahmen gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Pistorius’ Verteidiger ließen das Video als Vorlage für eine animierte Version filmen, die eine US-amerikanische Firma produzierte. Die Rekonstruktion nutzten sie dann wahrscheinlich zur Prozessvorbereitung. In diesem Fall dürfte es von der Staatsanwaltschaft nicht verwendet werden. Sollte diese Richtlinie nicht eingehalten worden sein, könnte dies einen Verfahrensfehler bedeuten und damit wiederum ein neuer strategischer Ansatzpunkt der Verteidigung sein.

Man habe das Video nur in Australien ausgestrahlt, sagte ein Sprecher von Channel 7. Dass es dann plötzlich in den weiten Welten des Internets auftauchte, liege außerhalb des Verantwortungsbereichs des Senders. Pistorius’ Verteidiger werfen Channel 7 hingegen vor, auf illegalem Wege an das Video gelangt zu sein und versuchten, die Veröffentlichung zu verhindern.

Offiziell ist die bebilderte Rekonstruktion vertraulich und kein Bestandteil der Verhandlungen, doch gesehen haben sie alle. Und so wurden bei der Wiederaufnahme des Prozesses plötzlich Fragen gestellt, die zweifellos – wenn auch indirekt – auf Inhalte des Videos eingingen.

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